Bestattungsformen: Urnen- oder Sargbestattung, FriedWald & RuheForst

Zuletzt aktualisiert am 4.9.2020 | Autor:

Tod, Bestattung und Trauer sind ein Themenkomplex, der in den vergangenen Jahren enorm an öffentlicher Aufmerksamkeit gewonnen hat.

Jene Routine, die den Umgang mit dem Tod jahrzehntelang beherrschte, ist immer stärker aufgebrochen worden. Dies ist eng verflochten mit grundlegenden gesellschaftlichen Wandlungsprozessen:

  • die wachsende Auflösung fester sozialer Bindungen,
  • die wachsende Mobilität der Menschen und – damit verbunden –
  • der Verlust jener „festen“ Orte, denen sie sich bisher verbunden gefühlt haben.

Gerade diese Aspekte des gesellschaftlichen Wandels haben weitreichende Folgen für die künftige Bestattungskultur.

Inhaltsverzeichnis – lesen Sie auf dieser Seite:

Urnen- oder Sargbestattung?

Als Sterbekasse haben wir hierzu einen guten Überblick, da wir bei der finanziellen Regulierung von Sterbefällen täglich Einblick in die abgerechneten Leistungen von Bestattungshäusern erhalten.

Aus diesen Beobachtungen können wir bestätigen, dass der Anteil an Urnenbestattungen inzwischen 60% erreicht hat. Es gibt  große regionale Unterschiede, was jedoch nichts mit Bundesland oder Konfession zu tun hat. Generell beobachten wir,  dass bei Sterbefällen in Großstädten der Anteil an Urnenbegräbnissen deutlich überwiegt.

Bestattungshäuser aus Berlin berichten uns, dass dort der Anteil an Urnenbestattungen in einigen Stadtbezirken inzwischen 90% erreicht hat. Aus ländlichen Regionen wie z.B. der schwäbischen Alb berichten uns Bestatter, dass dort nach wie vor die klassische Sargbestattung überwiegt.

Was sind die Beweggründe, sich für eine der beiden Bestattungsformen zu entscheiden? Folgende Gedanken geben häufig den Ausschlag:

  • "Ich möchte meine Angehörigen aus Zeitgründen nicht mit der späteren Grabpflege belasten." Entscheidung: Urne
  • "Meine Bestattung soll möglichst kostengünstig sein." Entscheidung: Urne; allerdings wird der Kostenvorteil hierbei häufig überschätzt.
  • "Der Gedanke an eine Verbrennung der eigenen sterblichen Überreste stößt mich ab." Entscheidung: Sarg
  • "Eine Verbrennung bedeutet eine Störung der Totenruhe. Wie es im Jenseits weitergeht, kann keiner wissen." Entscheidung: Sarg

Aus vielen Gesprächen mit Angehörigen wissen wir, dass diese dankbar und erleichtert sind, wenn der Verstorbene bereits zu Lebzeiten diese Entscheidung selbst getroffen hat und im Idealfall bereits alles in einem Bestattungsvorsorgevertrag bei einem Bestattungshaus seines Vertrauens geregelt hat.

Kann man die Urne zuhause aufbewahren?

Manche Angehörige wünschen sich, nach der Einäscherung des Verstorbenen die Urne mit dessen Asche zu Hause aufbewahren zu können oder die Asche an einem besonderen Ort zu verstreuen. Das resultiert aus dem immer stärker werdenden Wunsch nach Individualität und der Verbundenheit zum Partner.

Zumal in der heutigen Gesellschaft die Familien über weite Regionen verteilt sind oder die älter werdenden Hinterbliebenen nicht immer mobil sind, ist eine Grabpflege über viele Jahre an einem festen Ort wie den Friedhof auch nicht immer durch Angehörige gewährleistet. Aus diesem Grund nimmt die Anzahl der anonymem Bestattungen immer weiter zu. So manchen Hinterbliebenen wird aber erst nach Jahren bewusst, dass ein Ort zum Trauern fehlt.

Mit der Urne zu Hause oder der Beisetzung auf dem eigenen Grundstück wäre ein fester Ort vorhanden und vielleicht der letzte Wunsch des Hinterbliebenen erfüllt. Nach dem deutschen Bestattungsgesetz ist dieses aber leider verboten.

In Deutschland gilt jedoch für Totenaschen Friedhofspflicht und Beisetzungspflicht.

Abgesehen von der Seebestattung, bei der die Asche in einer auflösbaren Urne dem Meer übergeben wird, und der Beisetzung einer verrottbaren Urne in einem Beseitzungswald gibt es derzeit keine Möglichkeit, mit der Asche eines Verstorbenen anders zu verfahren.

Einige Friedhöfe bieten neben der Beisetzung der Urne in einem Erdgrab auch noch das

  • Einstellen der Urne in eine Urnenwand oder
  • einem Kolumbarium sowie
  • das Verstreuen der Asche auf einer Beisetzungswiese des Friedhofs an.

Das Aushändigen der Asche an die Angehörigen ist nicht gestattet. Es ist auch nicht erlaubt, Totenasche zu Hause aufzubewahren oder an einem beliebigen Ort zu verstreuen.

Zwar gibt es Bestrebungen, diese Bestimmungen zu ändern, aber im Grundsatz gilt: Totenasche gehört komplett in die Urne und diese wiederum gehört auf einen Friedhof. Es gibt viele Gründe die dafür und dagegen sprechen.

  • Steht die Urne auf dem Kaminsims, ist diese nicht für jeden zugänglich. Gleiches gilt allerdings auch bei der anonymen Bestattung sowie bei der Seebestattung.
  • Nachvollziehbar und ebenfalls dagegen spricht die ständige Auseinandersetzung mit dem Verlust, wenn man die Urne bzw. den Ort der Besetzung täglich ausgesetzt ist. Für die Trauerbewältigung und den Abschied ist der Friedhof wohl der passendere Ort. 

Die Niederländer sind diesbezüglich liberaler ausgestellt. Hinterbliebene dürfen die Urne zu Hause aufstellen. Die Bestattungskultur und der Umgang mit dem Thema Tod und Trauer wird hier anders gelebt. Die Niederländer stehen den Themen offener gegenüber und verfügen häufig über eine Sterbegeldversicherung.

Theoretisch kann man den Leichnam in das niederländische Krematorium nach Slangenburg überführen. Das niederländische Bestattungsrecht erlaubt es, die Asche an die Angehörigen auszuhändigen.

Wird die Urne jedoch wieder in Deutschland eingeführt, fällt sie auch wieder unter das deutsche Bestattungsgesetz.

Die Urne muss dann auf einem Friedhof, befriedeten Wald oder auf hoher See beigesetzt werden. Die Rückführung der Urne mit der Asche des Verstorbenen nach Deutschland, um diese zu Hause in Deutschland aufzubewahren, stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.

Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und diese finden wir im Bundesland Bremen, denn das Bestattungsgesetz ist Ländersache. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Hinterbliebene in Bremen die Asche der Verstorbenen auf einem privaten Grundstück verstreuen oder die Urne beisetzen.

Wir empfehlen Ihnen daher im Einklang mit dem Bestattungsgesetz

  • die klassische Sarg bzw. Urnen Beisetzung auf einem Friedhof,
  • in Verbindung mit einer Dauergrabpflege.

Gerade für den Fall, dass man sich nicht um das Grab regelmäßig kümmern kann, gewährleistet die Dauergrabpflegevereinbarung über viele Jahre die Pflege des Grabes.

Deshalb ist es wichtig, dass man sich in allen Fragen rund um die Bestattung, und insbesondere wenn man Sonderwünsche hat, an einen erfahrenen, niedergelassenen Bestatter vor Ort wendet.

Kann man die Urne selbst gestalten?

Sie können die Urne für Ihre Angehörigen selbst gestalten. Informieren Sie sich bei einem Bestatter über die gängigen Maße käuflicher Urnen und beachten Sie besonders den Innenraum.

Es muss dann auch die Aschenkapsel hineinpassen.

Sollte die Urne außen stark von den Standardmaßen abweichen, ist es wichtig, daß der Bestatter im Sterbefall rechtzeitig beim Friedhof Bescheid gibt, damit das Grabloch entsprechend groß gemacht wird.

Sind Überurnen notwendig?

Nein, diese sind nicht notwendig. Die Asche ist bereits ab Krematorium in einer festen Dose, die so wie sie ist beigesetzt werden kann. Man KANN eine Überurne/Schmuckurne zusätzlich erwerben, man MUSS es aber nicht.

  • Bei der Beisetzung ist diese in der Regel auch mit Blumen geschmückt und bedeckt, so dass man die Überurne kaum sieht.
  • Bei der Seebestattung muss die die Asche ohnehin in eine spezielle Seeurne umgefüllt werden und
  • bei anonymen Bestattungen ist kein Angehöriger anwesend

Selbstverständlich hat die Schmuckurne ihre Berechtigung. Die Aschenkapsel ist in den allermeisten Fällen eine anthrazitfarbige bis schwarze Blechdose mit silberfarbigem Deckel. Damit erfüllt sie die Funktion, die Asche dicht aufnehmen zu können und auf dem Deckel den Namen und die Lebensdaten des Verstorbenen zu tragen.
Überurnen verdecken den rein technischen Zweck der Aschenkapsel, bieten dem Auge des Betrachters eine schönere Optik und spiegeln eventuell besondere Vorlieben des Verstorbenen oder der Angehörigen wieder.

FriedWald und RuheForst als alternative Bestattungsform

Der FriedWald und der Ruheforst bieten die Bestattungsform in Wäldern an und sind eine Alternative zum klassischen Friedhof.

Die Asche der Verstorbenen ruht in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes. Die Gräber können mit einem einfachen und schlichten Namensschild versehen werden. Mit der Verbundenheit zur Natur verzichtet man im FriedWald und RuheForst auf Grabschmuck und Grabsteine und lässt der Natur ihren freien Lauf mit Wildblumen und Farnen.

Bei der Standortsuche neuer Wälder werden auch Franchise-Verträge mit Waldbesitzern geschlossen. Das Konzept des Friedwalds stammt ursprünglich aus der Schweiz und wird zudem in Österreich angeboten. Ein sehr ähnliches Konzept der Baumbestattung bietet auch der RuheForst an. Der RuheForst bietet Baumbestattungen in ausgewählten Waldgebieten, die sich durch standortgerechte Baumarten auszeichnen.

Entscheidet man sich aber für eine Baumbestattung, sollte man sich auch bewusst sein, dass eine Einäscherung Voraussetzung ist.

Die Kosten setzen sich aus der gewünschten Ruhestätte, den Beisetzungskosten im Trauerfall und der Inanspruchnahme von Dienstleistungen eines Bestatters zusammen.

Individuelle Bestattungsformen

Der Wunsch nach individuellen Bestattungsformen nimmt auch in Deutschland stetig zu. Besonders beliebt sind etwa Naturbestattungen, die Aufbewahrung der Urnen zu Hause oder die luxuriöse Variante der Diamantbestattung (siehe auch: Trauerschmuck). Das Bestreben nach außergewöhnlichen letzten Ruhestätten ist merklich gestiegen, so dass sich bereits einige europäische Nachbarländer diesem Thema offen widmen.

Die nationale Gesetzgebung beachten

In Deutschland besteht nach wie vor eine Friedhofs- und Bestattungspflicht. Zwar wurden vor einigen Jahren Baumbestattungen in Urnen ermöglicht, doch eine Herstellung von Diamanten ist ebenso wie das Ausstreuen der Asche Verstorbener gesetzlich nicht erlaubt. Über ausländische Dienstleistungsunternehmen sind jedoch einige Sonderformen der Bestattung legal realisierbar.

Naturnahe Bestattungsformen

Wenn auch Sie für Ihre letzte Ruhestätte besondere Vorstellungen haben, der Gedanke an einen Friedhof Sie schaudern lässt oder Sie sich mit einem wunderschönen Ort verbunden fühlen, stehen Ihnen einzigartige Wege über beispielsweise das schweizerische Unternehmen Seven Summits offen.

Sie können Ihre letzte Ruhe auf einem Berggipfel finden, an einem Wasserfall oder im tropischen Regenwald. Jede Bestattung erfolgt individuell und unter Wahrung aller ökologischen Aspekte. Natürlich setzt dies eine Kremation in Deutschland und die Überführung der Urne ins europäische Umland voraus.

Da diese Vorgehensweise nicht nur Ihre Wünsche in Sichtweite rücken lässt, sondern zudem auch legal ist, erfreut sie sich immer größerer Beliebtheit.

Die Kosten - entscheidende Faktoren für individuelle Beisetzungsarten

Erdbestattungen wurden aufgrund ihrer hohen Kosten und ihres langwierigen Pflegebedarfes in den letzten Jahrzehnten immer weniger in Anspruch genommen. Selbst wenn Angehörige bereit sind, die Grabpflege zu übernehmen, lässt sich das in einer flexiblen Arbeitswelt oftmals nicht realisieren.

Naturbestattungen, bei denen die Asche verstorbener Menschen an einem vorher festgelegten Ort ausgestreut wird, sind zudem wesentlich preisgünstiger als eine Beisetzung auf einem Friedhof. Hier sind der Individualität eines Menschen keine Grenzen gesetzt. Jeder persönliche Wunsch wird respektiert, ganz egal, ob eine einfache oder anspruchsvolle Bestattungsform angestrebt wird. Natürlich ist das mit entsprechenden Aufpreisen verbunden.

Individuelle Bestattungen liegen im Trend

Trauerbewältigung ist immer etwas sehr persönliches, ebenso wie es die Erinnerungen an einen geliebten Menschen sind. Das ist wohl auch der Grund, warum individuelle Arten der Bestattung immer mehr Aufmerksamkeit bekommen.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren auch in Deutschland das Gesetz gelockert werden könnte und Naturbestattungen ermöglicht werden. Bis dahin muss allerdings noch der umständliche Weg über die europäischen Nachbarländer genügen.