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Gedanke der Woche: Wenn Trauer nicht endet

22.10.2015

Ich habe in dieser Woche in einem Film einen bemerkenswerten Satz gehört: "Wer zu viel trauert, der raubt den Toten ihre Ruhe."

Über diesen Satz habe ich nachgedacht. Was will er uns sagen? Ist es nicht unser Recht, um unsere Verstorbenen zu trauern?

Warum trauert man überhaupt?

Man trauert, weil es einem um den Verstorbenen leid tut. Man hat also Mitleid mit ihm, weil man ihm vielleicht noch ein paar schöne Jahre gegönnt hätte.

Dann trauert man, weil ein Mensch sterben mußte und weil das Sterben vielleicht kein schöner Prozeß war, sondern mit Schmerz und Leid verbunden war.

Und natürlich trauert man, weil man eine tiefe innere Angst verspürt, eine Angst vor dem Ungewissen, das mit dem Tod verbunden ist.

Ja und man trauert nicht zuletzt auch aus Selbstmitleid, weil einem der Verstorbene fehlt, als Mensch, als Helfer, als Partner, als Verdiener.

Eine weitere wichtige Rolle spielt der Gedanke, daß man als Hinterbliebener durch den Tod eines Menschen an die eigene Vergänglichkeit schmerzhaft erinnert wird.

Das sind nur einige der vielen Gründe, warum wir Trauer empfinden.

Ich betone immer wieder, wie wichtig die Trauer ist. Der Trauerprozeß beginnt in dem Moment, in dem uns bewußt wird, daß ein Mensch gestorben ist.

Die Familie, der Bestatter, der Pfarrer und die Rituale, die wir rund um einen Sterbefall geschaffen haben, helfen uns dabei, unsere Trauer bewältigen zu können.

Wie das im Einzelnen geschieht, ist höchst individuell und wurde hier im Ehrensacheblog auch schon besprochen.

Das Ziel des Trauerprozesses aber sollte sein, daß man die Phase des Loslassens erreicht. Das ist die Phase, in der der vordergründige und omnipräsente Schmerz mehr und mehr in den Hintergrund tritt und die Verlustgedanken von guten Erinnerungen an den Verstorbenen verdrängt werden.

Immer seltener empfindet man die Trauer wie einen kalten Griff ans Herz, die Trauer ist nur noch präsent, wenn man auf den Verstorbenen angesprochen wird oder sein Grab besucht. Und schließlich kann man, abgesehen von sentimentalen Momenten, ohne dieses kalte Trauergefühl mit dem Verlust umgehen. So verkehrt ist die Aussage, daß die Zeit alle Wunden heilt, in diesem Zusammenhang nicht.

Oft genug habe ich Witwen erlebt, die fast ein schlechtes Gewissen hatten, weil sie nach einem guten Jahr diese tiefe Trauer nicht mehr empfanden.

So stark war dieses Gefühl doch in den letzten Monaten gewesen und so präsent war es. Und nun ist es auf einmal anders. Der Alltag hat einen eingeholt, man wendet sich dem eigenen Leben und den Geschicken der lebenden Verwandten zu und die Trauer nimmt nicht mehr die erste Stelle in der Gefühlswelt ein.

Wenn es so abläuft, dann hat man den Trauerprozeß gut abgeschlossen und ist mit dem Schicksalsschlag "fertig geworden", wie man so sagt.

Aber nicht immer kommt es so.

Manchmal gelingt es Menschen nicht, diesen Prozeß abzuschließen. Auch viele Jahre nach dem Tod eines geliebten Menschen sind sie verzweifelt, von Trauer gebeugt und vom Leben abgewandt.

Es scheint so, als könnten diese Menschen mit dem Verlust nicht fertig werden.

Das kann zu einer großen Belastung für die Betroffenen werden und ich finde das schade, ich bedauere diese Leute.

Denn, es ist zwar eine Floskel, aber das Leben hat so viel Schönes zu bieten und die Lebenden bedürfen soviel Aufmerksamkeit und Zuwendung, da bringt es einfach nichts, sich selbst die Lebensfreude zu nehmen und den anderen die freudige Zuwendung zu verweigern, weil man in der Trauer um jemanden verharrt, der niemals wiederkommen wird.

Das ist alles einfacher gesagt, als man es als Betroffener in die Tat umsetzen kann, das weiß ich.

Aber niemand muß in dieser Situation verharren.

Wenn es einem nicht gelingt, aus der Trauer wieder aufzuwachen wie aus einem albtraumschweren Schlaf, dann muß man sich Hilfe suchen.

Doch wer kann einem helfen?

Nun, zunächst einmal ist da die eigene Familie zu nennen. Man muß mit seinen Angehörigen darüber sprechen und sich deren Meinung anhören. Die Sichtweisen der anderen kennenzulernen und zu erfahren, wie sie mit der Trauer umgehen, kann ein wichtiger Schritt sein.

Darüberhinaus empfehle ich immer auch das Gespräch mit einem Pfarrer oder eine Pfarrerin. Man muß keine Angst haben, daß der Pfarrer einen schief anschaut, weil man vielleicht nicht oft in die Kirche gegangen ist. Aber unsere Pfarrer und Pfarrerinnen, auch viele Gemeindereferenten, Prädikanten und sonstigen Kirchenleute sind ausgebildet, können zuhören und kennen viele ähnliche Schicksale. Diese wertvolle Hilfe sollte man nicht unterschätzen!

In vielen Gemeinden werden auch Trauerkreise angeboten, oft im Rahmen von Trauercafés und ähnlichem. Die Termine findet man in der Tageszeitung, die Adressen erfährt man vom Pfarrer oder vom Bestatter.

Da kann man einfach hingehen, das kostet nichts und man trifft dort eben nicht ausschließlich auf Leute, denen es schlecht geht und die herumjammern, sondern man trifft dort auf Menschen, die ebenfalls in Trauer sind und vor allem aber auch auf Leute, die die Trauer gut überwunden haben und die einem helfen können, wieder mit Freude und ohne Last am Leben teilzunehmen.

In ganz seltenen Fällen helfen alle diese Maßnahmen nicht. Das ist nicht schlimm, auch dann sollte man seinen Kopf nicht in den Sand stecken.

Es gibt immer noch die Möglichkeit, mit seinem Arzt über die Problematik zu sprechen. Ein guter Arzt wird Mittel und Wege wissen, eventuell durch Überweisung an einen Spezialisten, wie man aus dem Loch wieder herauskommen kann.

Nehmen Sie im Falle eines Falles diese Hilfe in Anspruch!

 

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