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Wer muß denn die Bestattung bezahlen?

30.07.2015

Die allermeisten Fragen, die mich in meinem Büro erreichen, drehen sich um die Frage, ob jemand die Kosten für eine Bestattung übernehmen muß, oder nicht.

Meist sind die Leute ganz aufgeregt und sehr aufgebracht, weil sie nicht einsehen, daß nun ausgerechnet sie für die Bestattungskosten aufkommen sollen.

Grundsätzlich ist es so, daß in Deutschland in erster Linie die Familie für die Bestattung ihrer Familienmitglieder zu sorgen hat.

Wer nun für die Kosten einzustehen hat, regeln die Landesbestattungsgesetze.

Grob gesagt, ist es so, daß ungefähr auch der Personenkreis bestattungspflichtig ist, der erbberechtigt wäre.

Also die Ehepartner, Kinder, Eltern, Geschwister usw.

Nun gibt es aber viele Gründe, aus denen Menschen sich dieser gesetzlichen Verpflichtung enthoben sehen oder tatsächlich diese Verpflichtung gar nicht haben.

Alle Spielarten möchte und kann ich hier gar nicht aufzählen, das würde den Rahmen eines solchen Artikel bei weitem sprengen. Aber so einige interessante Konstellationen will ich gerne mal erzählen.

Was können Gründe sein, aus denen man die Bestattung eines Angehörigen nicht übernehmen will?

Nun, es kann tatsächlich sein, daß man von der Existenz dieses Angehörigen gar nichts wußte.

Einfaches Beispiel: Die alleinerziehende Mutter hat ihren Kindern immer erzählt, der Kindsvater sei unbekannt oder verschollen. Viele Jahrzehnte später, die Mutter ist selbst längst verstorben, erreicht die Kinder ein Schreiben eines weit entfernten Friedhofsamtes mit der Aufforderung, die Bestattungskosten für einen vermeintlich völlig fremden Mann zu bezahlen. Dieser ist vielleicht von Namen und persönlicher Anschauung her tatsächlich unbekannt, aber es handelt sich in Wirklichkeit um den leiblichen Vater.

In aller Regel werden die Kinder die Bestattungskosten zahlen müssen.

Es gibt auch Fälle, in denen sich Familien total zerstritten haben und zu einem Familienmitglied schon seit Ewigkeiten kein Kontakt mehr besteht.

Solche familiären Zwistigkeiten interessieren den Staat und die Allgemeinheit aber normalerweise nicht. Blut ist dicker als Wein, sagt man und in diesem Fall bedeutet das, daß die Familie trotzdem für die Bestattung des ungeliebten Schwarzen Schafes zu sorgen hat.

Es müssen ganz gravierende Dinge passiert sein, damit einen Gerichte von der Übernahme der Kosten ausnahmsweise mal freisprechen.

So gibt es wenige Urteile, wo vor allem Frauen, die Opfer von Mißbrauch und Gewalt gewesen sind, die Bestattungskosten für ihren Peiniger nicht bezahlen mußten.

Auf so eine Ausnahme sollte man aber nicht hoffen.

Ganz viele Angehörige sagen mir in meiner Telefonsprechstunde: "Der Verstorbene lebte ja vom Sozialamt, da übernimmt das Amt ja die Kosten."

Nein, das ist nicht so. Wir haben oben gelernt, daß es die Familie ist, die für die Bestattung ihrer Angehörigen zuständig ist.

Und das hat mit der persönlichen Vermögenslage des Verstorbenen nichts zu tun.

Solange bei den Angehörigen etwas zu holen ist, müssen diese auch bezahlen.

Anders sieht das nur aus, wenn die Bestattungspflichtigen selbst vom Sozialamt leben oder die Kosten nicht aufbringen können. Dann ist es ratsam einen Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten zu stellen.

Einen ganz weit verbreiteten Irrtum möchte ich auch unbedingt ansprechen:

Beinahe jede Woche ruft mich eine Familie an und argumentiert so: "Wir haben alle das Erbe abgelehnt, bekommen also nichts. Jetzt müssen wir ja auch die Bestattung nicht bezahlen."

Das ist ein Trugschluß! Man kann sich durch einen Verzicht aufs Erbe nicht von der als nachteilig empfunden Verpflichtung zur Zahlung der Bestattungskosten freikaufen.

Grundsätzlich hilft es nichts, aufs Erbe zu verzichten.

Jedoch, eine Ausnahme gibt es, diese schildere ich nachfolgend.

Und wann muß man die Bestattungskosten nicht bezahlen, selbst wenn man eigentlich dafür zuständig wäre?

Ich sagte ja, daß es beim Ausschlagen des Erbes eine Ausnahme gibt.

Das Bürgerliche Gesetzbuch sagt sinngemäß: Wer erbt, der zahlt die Beerdigung.

Wie ich schon schrieb, hilft es aber zunächst einmal nichts, das Erbe auszuschlagen. Als Bestattungspflichtiger ist man so oder so dran.

Aber: Gibt es einen Erben und alle anderen haben das Erbe ausgeschlagen, so ist natürlich nach BGB der Erbe dran!

Ein Fall aus der Praxis.

Ein aus der Familie ausgestoßener Bruder lebte Jahrzehnte im Ausland in Saus und Braus. Krank und verarmt kehrt er zum Sterben nach Deutschland zurück.

Nach seinem Tod werden seine acht (!) Geschwister vom Friedhofsamt zur kasse gebeten.

Sieben Geschwister schlagen vorsichtshalber das Erbe aus, die achte Schwester erhofft sich aber dennoch ein Erbe (Da könnte ja noch irgendwo was sein.) und schlägt das Erbe nicht aus.

Damit wird sie allein zur Erbin und hat, wenn man es so sagen will den Schwarzen Peter gezogen, denn als Alleinerbin hat sie gemäß BGB auch für die Beerdigung zu zahlen.

Einen weiteren Grund, aus dem man selbst nicht zahlen muß, habe ich oben bereits aufgeschrieben:

Immer dann, wenn man definitiv nicht in der Lage ist, die Bestattungskosten selbst aufzubringen, kann man bei den Sozialbehörden einen Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten stellen.

Aber: Es hilft nichts, wenn einem die Kosten nur zuviel sind, weil man einen Urlaub oder eine andere Anschaffung geplant hat. Man muß schon wirklich sozial bedürftig sein, um diese Hilfe in Anspruch nehmen zu können.

Das waren mal Beispiele aus der täglichen Praxis. Wenn auch Sie nicht genau Bescheid wissen, scheuen Sie sich nicht, mich zu kontaktieren.

Und, ich sag's nur der Form halber, denn meine Leser wissen es ja schon längst: Vor unliebsamen Überraschungen bei der Bezahlung der Bestattungskosten schützt am besten eine Sterbegeldversicherung.

Manche können es nicht mehr hören und viele wollen es nicht glauben. Aber nur mit einer Sterbegeldversicherung hat man bei recht niedrigen Beiträgen die Sicherheit, daß am Ende auch genug Geld für die Bestattung herauskommt.

 

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