Tarifrechner

Berechnen Sie hier direkt Ihren günstigen Beitrag bei der SOLIDAR:

Ihr Beitrag

Tarif 18
nur 0 € monatlich
Tarif 19
nur 0 € monatlich
Tarif EB
0 € einmalig

Wird der Sarg eigentlich mit eingeäschert?

26.05.2015

Sehr geehrter Herr Wilhelm,

ich habe Sie als Fernsehexperten im Fernsehen gesehen. Leider bin ich bei der Sendung nicht durchgekommen. Aber eine kurze Suche im Netz führte mich auf diese Seite hier. Ich hoffe, ich kann hier einmal eine Frage stellen, die mir schon immer auf den Nägeln gebrannt hat.

Wenn ein Verstorbener im Krematorium eingeliefert wird, wird er dann aus dem Sarg entnommen oder wird der wertvolle Sarg mitverbrannt?

Das wäre doch der Umwelt wohl nicht zuträglich, oder? Ich meine, auch für einen Sarg müssen zig Bäume sterben.

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Dagmag B., Görlitz

Hier ganz in meiner Nähe, gerade einmal 18 Kilometer entfernt, befindet sich eine Fabrik für Klopapier und Papiertaschentücher. Wenn man betrachtet, welche ungeheuren Mengen an Holz dort gelagert und angeliefert werden, und wie schnell diese Vorräte in der Fabrik verschwinden, um daraus Toilettenpapier zu machen, so fällt der Umweltaspekt bei der Sargproduktion schon allein im Vergleich sehr positiv aus.

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, ein natürlicher Rohstoff.

Für einen Sarg müssen auch nicht zig Bäume sterben, sondern aus einem Baum können zig Särge gemacht werden.

Überdies werden viele Särge aus recht schmalen Riemchen und Stäben zusammengeleimt, sodaß nicht unbedingt die wertvollsten Bretter genommen werden müssen.

Die Sargproduktion ist umweltfreundlich und ressourcenschonend.

Theoretisch könnte man Verstorbene selbstverständlich auch ohne Sarg einäschern. In den Vereinigten Staaten und anderen Ländern wird das auch so gemacht.

Allerdings ist man hierzulande aus dreierlei Gründen dabei geblieben, die Verstorbenen mitsamt Sarg einzuäschern.

     

  • 1. es ist pietätvoller, den Verstorbenen in einem Sarg ins Feuer zu schieben
  • 2. das Holz wird für die Einäscherung als zusätzlicher Energieträger benötigt
  • 3. für gebrauchte Särge gibt es keinen wirklichen Markt
  • 4. die Feuerbestattung soll der Erdbestattung ähnlich sein
  •  

Beginnen wir mit Punkt 4:

In der Anfangszeit ist die Feuerbestattung als unchristlich angesehen worden und allenthalben auf große Widerstände gestoßen. Sie wurde von Vertretern der Kirche als heidnisch gebrandmarkt und genoß ein geringes Ansehen und war als Bestattungsvariante für Freigeister und Atheisten verpönt. Die Feuerbestattungsvereine, die oft Träger der ersten Krematorien waren, bauten deshalb darauf, der Feuerbestattung erdbestattungsähnliche Züge zu geben. So viele Elemente wie möglich sollte die Kremationsbestattung mit der Erdbestattung gemeinsam haben.

Das förderte die Akzeptanz bei der Bevölkerung.

Erkennen kann man das noch bei Friedhöfen, die in den Trauerhallen oder Krematorien die Särge bei einer Feuerbestattung nach unten in den Keller absenken. Hierbei wird quasi die Grablegung des Sarges symbolisiert, obwohl der Sarg nur eine Etage tiefer fährt, um von dort dann zum Ofen gebracht zu werden.

Kommen wir zu Punkt 1:

Deutschland hat sehr mit den Nachwirkungen der Greueltaten zur Zeit des Dritten Reichs zu kämpfen. Aufgrund der Tatsache, daß in dieser dunklen Zeit unserer Geschichte Millionen Menschen ohne Zeremonie und auch ohne Sarg eingeäschert und vergraben wurden, wird heute durch den besonders pietätvollen Umgang mit den Verstorbenen und durch die Verwendung eines Sarges ein hohes Maß an Pietät gewahrt.

Punkt 2:

Technisch wäre die Verbrennung eines Menschen ohne das Sargholz möglich. Es wäre aber ein weitaus höherer Energieeinsatz notwendig. Die modernen Krematorien sind so konzipiert, daß das Sargholz als Energieträger mit zum Einäscherungsprozess beiträgt

Aus Umweltsicht ist das eher positiv zu beurteilen, da hier, wie schon gesagt, ein nachwachsender Rohstoff verwandt wird.

Punkt 3:

Da für den Transport sowieso ein Sarg benötigt wird, so schreiben es die Landesbestattungsgesetze vor, stünde jeweils ein bereits benutzter Sarg zur Verfügung.

Dieser könnte hygienisch bedenklich sein oder bereits geringe Beschädigungen und Abnutzungsspuren zeigen.

Es wäre natürlich denkbar, das alles mit Leihsärgen abzuwickeln, aber aus den o.g. Gründen ist das nicht sinnvoll.

 

Zurück


Archiv