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Wenn man nicht tot ist, kann es sehr schön sein

Ja wirklich, wenn man nicht gerade selbst von einem Sterbefall in der Familie betroffen ist (manchmal aber auch ganz besonders dann), haben Friedhöfe sehr viel Schönes.

Ich persönlich schätze Spaziergänge über Friedhöfe ganz besonders, wenngleich ich diese zumeist alleine oder in Begleitung von Medienvertretern absolvieren muß.

Meine Frau ist da ganz anderer Meinung, sie besucht nicht einmal die Grabstätten ihrer Verwandten gerne. Das alles erinnert sie zu stark an den erlebten Verlust und es erinnert sie zu sehr an die eigene Vergänglichkeit.

Bei mir ist das anders. Da war es üblich, regelmäßig alle Gräber der Verstorbenen der Familie zu besuchen und zu pflegen. Meine Kindheit war geprägt durch Friedhofsbesuche und auch durch Beerdigungen. Als Nachkömmling eines Nachkömmlings, war ich noch sehr klein, als in unserer Familie das generationsbedingte Sterben losging. Meine Mutter war so ein Nachzögling, ihre älteste Schwester war 20 Jahre älter, und auch ich habe einen 16 Jahre älteren Bruder.

Wie gesagt, als ich ein Schulkind war, starben Onkel und Tanten, die Großeltern, Großtanten und sogar schon die ersten Cousins.

Für mich hatte das Thema Friedhof und Beerdigung nichts Befremdliches und auch nichts Bedrohliches. Diese Themen wurden auch nicht tabuisiert, sondern gehörten einfach zum Leben.

Diese allgemeine Scheu vor dem ganzen Thema habe ich nie entwickelt.

Wenn überhaupt, dann schmerzte mich die Vorstellung, dereinst meine Eltern zu verlieren. Allein diese Verlustangst, die Angst davor, allein zu sein, hat mich als Kind beschäftigt; ansonsten kann ich rückblickend weder eine Angst vor Leichen, noch vor dem Ort an dem sie bestattet wurden, feststellen.

Gewiß war das auch einer der Gründe, warum ich in die Bestattungsbranche rutschte und mehrere sehr erfolgreiche Bücher zu diesem Themenbereich geschrieben habe. In manchen Kreisen gelte ich als Deutschlands bekanntester Bestattungsexperte. Das ist sicherlich ein etwas hochgegriffener 'Titel', den ich mir aber nicht selbst gegeben habe, sondern der von der Presse, insbesondere vom Fernsehen geprägt worden ist.

Es gibt da sicherlich noch den einen oder anderen, der da ebenso gut, wenn nicht besser Bescheid weiß, als ich. Aber immerhin, ich weiß ganz gut Bescheid.

Und die Selbstverständlichkeit und Unbefangenheit, mit dem Thema Tod und Sterben umzugehen, hätte ich vielleicht nicht, wenn ich nicht schon als Kind so erzogen worden wäre, daß Friedhöfe, Beerdigungen und das Sterben nichts Abstoßendes an sich haben.

Warum erzähle ich Ihnen das?

Das will ich Ihnen sagen, ob wohl diese Ankündigung nach der obigen rhetorischen Frage eigentlich überflüssig ist.

Ich bin nämlich der Meinung, daß man diese Erfahrung, die ich als Kind gemacht habe, auch in späteren Jahren durchaus noch nachholen kann.

Gehen Sie doch mal auf einem Friedhof spazieren!

Friedhöfe sind immer auch als Parkanlage angelegt und die Verwaltungen verwenden meist sehr viel Geld darauf, sie in Ordnung zu halten und den alten Baumbestand zu pflegen.

Ich sehe dort auch immer viele Mütter mit Kinderwagen und man kann ja wohl nicht sagen, daß diese Frauen ihre Babykarren dort durch die Gegend schubsen, weil sie morbide Gedanken haben oder sich intensiv mit dem Thema Tod befassen.

Nein, sie genießen es, daß dort kein Verkehr herrscht und die Friedhöfe Oasen der Ruhe im städtischen Treiben sind.

Wenn ich auf den Friedhof gehe, dann nehme ich meinen Fotoapparat mit und schaue unter anderem auch nach tollen Fotomotiven. Vor allem im alten Teil oder wenn der Friedhof eine Abteilung mit jüdischen Gräbern hat (die immer bestehen bleiben und oft uralt sind) findet man wildromantische Motive.

Es ist für mich aber auch interessant, die Grabsteine anzuschauen und aus den Inschriften Geschichten und Schicksale abzulesen.

Ja und manchmal steht man auch unvermittelt vor dem Grab eines berühmten Malers oder Komponisten.

Sehr schön finde ich es auch, einfach nur auf einer Bank zu sitzen und den Leuten bei ihren Beschäftigungen zuzusehen. Man kann das viel Schönes sehen, hervorragend in sich hineinlästern oder sich wunderbar fremdschämen.

Es gibt überhaupt keinen Grund Friedhöfe zu meiden, sie sind wirklich das, was ich vorher schrieb: Oasen der Ruhe.

Und sie erzählen interessante Geschichten.

Probieren Sie es mal aus!

 

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