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Warum werden Gräber immer teurer?

19.05.2015

Bestatter und Friedhöfe klagten in den letzten 10 bis 15 Jahren vor allem über den demographischen Knick. Die Demographie ist die Bevölkerungswissenschaft und beschäftigt sich mit der Entwicklung von Bevölkerungen.

Es fehlten in den letzten anderthalb Jahrzehnten einfach viele Tote. Das hört sich merkwürdig an, ist aber genau so. In den beiden Weltkriegen sind so viele Menschen gestorben, die eigentlich erst in den letzten Jahren an der Reihe gewesen wären.

Außerdem haben Medizin und Pflege so große Fortschritte gemacht, daß die Menschen heutzutage einfach länger leben.

Die Lebenserwartung ist kontinuierlich gestiegen und steigt weiter an. So haben Menschen, die heute geboren werden, eine gute Chance, weit über 70, ja sogar gut 80 Jahre alt zu werden.

Dabei ist die statistische Lebenserwartung nur eine höchst ungenaue Zahlenspielerei, die individuell kaum eine Bedeutung hat. Diese generelle Kenngröße beinhaltet natürlich auch alle jünger verstorbenen Menschen, die die Endzahl nach unten hin beeinflußt. Individuell können Menschen wesentlich älter werden. Die Zahl derer, die über 90 sind oder gar die 100 Jahre schaffen, nimmt ebenfalls zu.

Abgesehen von Einzelschicksalen, wie bei Altkanzler und Kettenraucher Helmut Schmidt, wird die individuelle Lebenserwartung insbesondere durch eine gesunde Lebensweise gefördert. Gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung, sowie geistige Betätigung sollen hier besonders förderlich sein.

Wie individuell das ist, zeigt dieser Satz aus Wikipedia:

"So liegt die Wahrscheinlichkeit einer 70-jährigen Person, 90 Jahre alt zu werden, zwischen 5 % und 54 %."

Wie gesagt, die Menschen werden immer älter und natürlich macht sich das im Geschäft der Bestatter und der Friedhöfe bemerkbar.

Das ist einer der Punkte, die bei unseren Betrachtungen eine Rolle spielen.

Weitere Punkte sind eine sich verändernde Trauerkultur, die Mobilität der Menschen und die der finanzielle Aspekt.

Beginnen wir mit dem finanziellen Aspekt, der in zweierlei Hinsicht zu berücksichtigen ist:

Einmal steht vielen Menschen das Geld für eine aufwendige Bestattung einfach nicht zur Verfügung, und zum anderen sind viele Menschen, auch bei Vorhandensein entsprechender Mittel, nicht mehr bereit, große Summe, über das unbedingt notwendige Maß hinaus, auszugeben.

Hinsichtlich der Mobilität ist zu sagen, daß viele Leute sich gegen ein eigenes Grab für ihre Angehörigen entscheiden, weil sie weggezogen sind und niemand am Ort sich um die Grabstelle kümmern könnte.

Die veränderte Trauerkultur bringt es mit sich, daß die Leute heute nicht mehr nur die zwei Alternativen Erd- oder Urnengrab kennen, sondern Urnengemeinschaftgräber, Aschenverstreuungen, Waldbestattungen und vieles mehr.

Die Möglichkeiten, die sich mit dem Umgang mit der Totenasche ergeben, sind wesentlich vielfältiger, als bei einer Erdbestattung, und sind ein Grund dafür, warum die Zahl der Feuerbestattungen rasant ansteigt.

Nun könnte man meinen, daß die Friedhöfe mit Preisreduzierungen reagieren, um mehr Gräber verkaufen zu können. Und tatsächlich könnten günstige Grabangebote den Prozess verlangsamen. Friedhöfe, die günstige Rasengräber, die keine Pflege benötigen, auch für Erdbestattungen anbieten, verzeichnen in diesem Bereich ordentliche Zuwächse.

Insgesamt aber ist festzustellen, daß die Friedhöfe aufgrund von Mechanismen des öffentlichen Finanzrechts oft nur durch solche attraktive gestalteten Angebote reagieren können. Wirkliche Preisreduzierungen sind aber nicht zu erwarten.

Denn die meisten Kommunen schreiben ihren Friedhofsämtern oder -betrieben einen engen Finanzrahmen vor. Der bringt es mit sich, daß die Kosten für den Betrieb eines Friedhofs vereinfacht gesagt, durch die anfallenden Beerdigungen bezahlt werden müssen.

Das bedeutet schlicht und ergreifend: Je weniger Begräbnisse auf einem Friedhof stattfinden, umso teurer werden diese.

Jede Urne, die im Wald beigesetzt wird, jede Totenasche, die verstreut wird und jeder Verstorbene, der eine Seebestattung bekommt, verteuert letztendlich die Friedhofsgebühren.

Ja, und die Spirale dreht sich auch noch weiter! Denn mittlerweile bauen viele Friedhöfe Kapazitäten ab. Gräberfelder werden nach dem Ablaufen nicht mehr neu belegt und eingeebnet, Hallen und Aufbahrungsräume geschlossen und Personal abgebaut.

Das wiederum bedeutet: Selbst wenn jetzt eine Umkehr stattfindet und mehr Menschen wieder die Friedhöfe in Anspruch nehmen, führte die in weiten Bereichen auch wieder zu einer Verteuerung, denn das Inbetriebnehmen von Anlagen und das Einstellen von Leuten kostet zunächst auch wieder erst einmal Geld.

Wie kann man dem begegnen?

Viele Friedhofsverwaltungen haben es erkannt: Attraktive Angebote, wie Waldhainbestattungen am Fuße eines Baumes, Rasenverstreuungen von Asche, Gemeinschaftsgräber, pflegefreie Gräber und das Eingehen auf individuelle Wünsche sind geeignet, die Menschen wieder für die Friedhöfe einzunehmen. Das alles muß bezahlbar und wenn nötig subventioniert oder querfinanziert werden.

So kann man auf lange Sicht die Spirale langsam zum Stillstand kommen lassen und die Friedhöfe wieder attraktiv und bezahlbar machen.

 

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