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Warum eigentlich anonym?

24.02.2015

Warum werden eigentlich so viele Leute anonym beerdigt? Ich meine, ein Reihengrab kostet hier bei uns nur 100 Euro mehr. Muss denn diese würdelose Entsorgung sein? So viele arme Menschen gibts doch garnicht.

Einer der häufigsten Sätze, die ich in meiner Zeit als Bestatter zu hören bekam, war der Satz: "Unser Vater war ein ganz einfacher Mann, der wollte keinen unnötigen Pomp!"

(Die gleiche Aussage gab es für Mütter, Tanten, Onkels und Geschwister.)

Meist wurde dieser Satz vorausgeschickt, wenn die Leute dann ganz herzerfrischend den Wunsch nach der allerbilligsten Lösung äußerten. Ihnen war jeder Pfennig, jeder Cent zu viel.

Wahrscheinlich war dieser Satz in den meisten Fällen sogar gelogen.

Bei Frau Fischer wußte ich, daß er gelogen war. Die Dame hatte ich nämlich auf einer schönen Beerdigung kennengelernt und die hatte mir gesagt: "So toll will ich auch mal bestattet werden und daß meine Kinder immer an mein Grab kommen können."

Drei Wochen später war die Frau mit dem Wunsch nach einer tollen Beerdigung und dem schönen Grab zu einer "schlichten Frau mit dem absoluten Wunsch nach einer anonymen Feuerbestattung" mutiert und Tochter und Schwiegersohn schworen, die Mutter habe noch auf dem Totenbett gesagt, sie wolle auf keinen Fall ein Grab.

Kann ja so gewesen sein, auch wenn ich meine Zweifel habe.

Aber tatsächlich wird die Entscheidung zugunsten eines anonymen Grabes oft auf der Basis finanzieller Interessen getroffen.

Dabei muß es gar nicht die billigste Lösung sein, wenn man sparen will. Das Wichtigste: Man sollte dem Bestatter von vornherein sagen, daß man nur soundsoviel ausgeben will. Punkt.

Man kann auch für ein geringeres Budget was Anständiges bekommen!

Vergessen darf man aber nicht, daß die Menschen in den letzten Jahrzehnten ein anderes Verhältnis zum Thema Friedhof entwickelt haben.

War es früher in vielen Familien noch eine Selbstverständlichkeit regelmäßig die Kirche zu besuchen und auf die Friedhöfe zu gehen, so sind die Kirchbesuche ebenso rückläufig, wie die Friedhofsbesuche.

Es mag da durchaus eine Parallele geben.

Aber auch sonst ist es ja so, daß die Kinder oft weit entfernt leben und ein Grab, das über 200 Kilometer entfernt ist, nur einen unnötigen Aufwand an Zeit und Geld bedeutet.

Hier kann die Entscheidung, sich für ein Grab zu entscheiden, das keine Pflege benötigt, durchaus berechtigt sein.

Es ist aber natürlich nicht nur der Pflegeaspekt. Zu den Kosten für die Anschaffung des Grabes und der Pflege, kommen ja noch ein Grabstein usw. hinzu.

Kostet ein anonymes Grab vielleicht 300-500 Euro, so kommt ein herkömmliches Grab in mittlerer Ausstattung schon mal auf 3.000 Euro und viel mehr.

Schelten darf man die Leute deshalb nicht. Es gibt mittlerweile ein anderes Werteverständnis. Da sind Anschaffungen und Urlaube wichtiger als ein Grab.

Würdelos hingegen muß eine Bestattung im anonymen Grab nicht sein.

Man kann ganz normal eine Trauerfeier mit vorheriger Aufbahrung und allem Drum und Dran machen. Es entfällt einfach der zweite Gang zum Friedhof, wenn die Urne beigesetzt würde. Das geschieht bei einer anonymen Bestattung zumeist so, daß man als Angehöriger weder Ort noch Zeitpunkt der Beisetzung erfährt.

Foto: © Kerstin Deiters

 

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