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Solvency II

05.02.2015

Heute Morgen lief im Fernsehen eine Bundestagsdebatte. Früher waren das einmal besondere Ereignisse, wenn man im Fernsehen Debatten übertrug.

Vielleicht liegt es daran, daß es keine so fundamentalen Themen und auch nicht mehr die großen Redner und Streiter im Bundestag gibt, daß man heute Parlamentssitzungen eher auf den "höheren" Kanälen (z.B. Phoenix) zu sehen bekommt.

In der heutigen Debatte ging es schon recht früh heute Morgen um ein eigentlich recht wichtiges Thema, um Solvency II.

An den Gesichtern der Abgeordneten und vor allem an den vom gestrigen Feiern noch müden Gesichtern der Schüler auf den Gästerängen konnte man aber deutlich ablesen, daß -von den Fachrednern mal abgesehen- kaum einer der Anwesenden irgendeine Ahnung davon hatte, um was es bei Solvency II überhaupt geht.

Ja, und dann wurden noch die Begriffe EIOPA und BAFIN genannt und noch mehr Abgeordnete wandten sich ihren Zeitungen und Handys zu...

Von EIOPA haben auch Sie, meine lieben Leserinnen und Leser bestimmt noch nie gehört. Aber vielleicht ist Ihnen die Abkürzung BaFin schon eher ein Begriff? Auch nicht?

Also fangen wir hier bei uns an: In Deutschland gibt es die BaFin, das bedeutet ausgeschrieben: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Diese Behörde wacht grob gesagt über Banken, den Aktienhandel und Versicherungen.

Wenn Sie mehr über die BaFin nachlesen möchten, dann empfehle ich Ihnen diesen Link hier.

Im Grunde genommen kann jeder nur froh sein, daß es so etwas wie die BaFin gibt, die zunächst einmal darüber wachen soll, daß die Kunden der Finanzdienstleister nicht übers Ohr gehauen werden und daß nicht eine Bank nach der anderen, auf der Jagd nach immer höheren Gewinnen für die Aktionäre immer mehr wertvolles Kundengeld in riskanten Auslandsgeschäften verpulvert und am Ende auf der Strecke bleibt.

Solche Aufsichtsbehörden gibt es auch in anderen Ländern, aber oft mit nicht vergleichbaren Instrumenten und einer etwas anderen Zielsetzung.

Darum ist es grundsätzlich keine schlechte Idee, daß es auch auf europäischer Ebene eine solche Aufsichts- und Regulierungs-Institution gibt. Und das eben ist die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA). (Hier geht es zum Wikipedia-Eintrag zu EIOPA)

Ja, und was ist nun Solvency II?

Lesen Sie hier den Wikipedia-Text zu Solvency II.

Solvency II ist das derzeit wichtigste Projekt im Bereich der Versicherungsaufsicht auf EU-Ebene. Die Solvency II-Richtlinie hat die Hauptziele, den Versichertenschutz zu stärken, einheitliche Wettbewerbsstandards im Versicherungssektor des europäischen Binnenmarktes zu schaffen und damit eine weitgehend einheitliche Aufsichtspraxis in Europa zu gewährleisten.

Wichtig ist das deshalb, weil eben immer mehr ausländische Versicherer auf den deutschen Markt preschen und weil auch deutsche Versicherer europaweit und sogar weltweit tätig sind.

Um als Kunde nicht von einem monumental klingenden Namen einer Gesellschaft in Versicherungsverträge gelockt zu werden, die möglicherweise hiesigen Standards gar nicht entsprechen, ist eine Angleichung der Bestimmungen unter Umständen sehr wünschenswert.

Ich formuliere das deshalb so wachsweich-skeptisch, weil das Verhärten der Bedingungen für den einen, gleichzeitig auch eine Aufweichung der Bedingungen für den anderen bedeuten kann.

Ich habe Ihnen im nachfolgenden Info-Kasten mal zwei wichtige und sehr informative Links zum Thema Solvency II herausgesucht:

[lightgrey_box]INFOBOX

Das Kompetenzportal Solvency II

Die BaFIN zu Solvency II[/lightgrey_box]

Warum schreibe ich hier, in meiner Kolumne für eine Sterbegeldversicherung über dieses Thema?

Weil wir es erst unlängst erlebt haben, daß das Streben nach Vereinheitlichung und vermeintlicher Sicherheit auch ein Pferdefuß sein kann.

Sterbegeldversicherungen haben, im Vergleich zu international operierenden Großfinanzdienstleistern, die auch Hafenanlagen in Shanghai versichern und im weltweiten Geschäft mit Immobilienheuschrecken mitspielen, ein sehr eng umrissenes Aufgabengebiet und einen sehr überschaubaren Kundenstamm.

Diese Sterbegeldversicherungen nun mit diesen großen, auf Aktionärsgewinne schielenden Konzernen über einen Kamm zu scheren, das kann für die Versicherten mitunter Nachteile mit sich bringen.

Ein ganz einfaches Beispiel:

Daß Frauen eine etwas höhere Lebenserwartung haben, als Männer, das ist eine Binsenwahrheit, unumstößlich, von der Natur so gegeben, einfach eine Tatsache.

Und mit solchen statistisch belegbaren Tatsachen kann man rechnen. Und das haben Versicherer schon immer getan und deshalb waren, je nach versichertem Risiko, die Beiträge für Männer und Frauen unterschiedlich.

Das war gerecht und es gab keinen Grund, daran zu rütteln.

Wer länger lebt, zahlt länger ein und bekommt entweder am Ende mehr oder muß von Anfang an etwas weniger einzahlen.

Mit der von den Behörden diktieren Einführung der Unisex-Tarife, damit man auch beim Versichertsein schön gleichberechtigt ist, wurde diese Tatsache einfach über die Tischkante gewischt. Versicherungstarife für Männer und Frauen müssen gleich sein, hieß es.

Ja und damit wurden eben in manchen Bereichen für viele Versicherte die Beiträge einfach teurer.

Noch ein Beispiel:

Versicherungen arbeiten nach einem Solidarprinzip. Diejenigen, die keine oder wenige Ansprüche an die Versicherung stellen, zahlen mit ihren Beiträgen die Schäden der anderen.

Oder andersherum gesagt: Wenn mir was kaputtgeht, dann zahlt die Gesellschaft aus dem Topf, den alle Versicherten zusammen erwirtschaftet haben, den Schaden.

Da aber immer mehr Geld in dem Topf ist, als insgesamt jetzt im Augenblick für Auszahlungen benötigt wird, können die Gesellschaften mit diesem Geld arbeiten.

Am Ende sollte daraus ein Gewinn entstehen, der den Versicherten als Bonus, Gewinnausschüttung usw. auch wieder zu Gute kommen soll.

So sollte es sein.

Und so ist es auch bei der Sterbegeldversicherung.

Denn bitte vergessen Sie nicht: Hier wird nur ein Risiko versichert, nämlich die Bezahlung der Beerdigung.

Hier gibt es kein Wenn und Aber und vor allem gibt es keinen, der weniger oder gar keine Schäden meldet, sondern am Ende muß jede Police bedient werden.

Das erfordert ganz besonderes Umgehen mit den Versichertengeldern. Zwingend müssen Gesellschaften wie die Solidar das Geld so bewirtschaften, daß es sicher ist und daß es gute Erträge abwirft.

Aus den Gewinnen und Beiträgen muß die Versicherung ihre Kosten für Büros und Gehälter bezahlen. Das ist normal und selbstverständlich.

So weit ist das alles gut zu verstehen und eigentlich eine glasklare Sache.

Aber was nun, wenn es in diesem Spiel nicht nur die Versicherung und die Versicherten gibt?

Nehmen wir mal an, es handelt sich nicht um eine solidarische Versicherungsgesellschaft mit Mitgliedern, sondern um eine international operierende Aktiengesellschaft.

Wer sind denn diese Aktionäre? Der kleine Mann auf der Straße? Nein, das sind Anleger, Großanleger, internationale Finanzjongleure und nur auf den schnellen Gewinn schielende Börsenspekulanten.

Die wollen aber auch ordentlich verdienen!

Ja, und um im Haifischbecken der international operierenden Konkurrenz und auch vor den Kunden gut dazustehen, demonstrieren Versicherungen gerne ihre Solvenz, ihre Macht und ihre Marktposition mit Glaspalästen mit zig Etagen, dicken Fahrzeugen selbst für kleine Versicherungsvertreter und hohen Gehältern für ihre Manager.

Haben Sie sich schon einmal überlegt, wer das alles bezahlt? Wer die Dividenden und Aktiengewinne der Haifische bezahlt, wer die Prunkbauten bezahlt? Wer die dicken Audis und die hohen Gehälter und Provisionen bezahlt?

Na klar, das sind Sie als Kunde!

Bei der Solidar ist das ein wenig anders. Hier gibt es auch ein Gebäude in Bochum, aber die Leute können ja nicht von zu Hause aus arbeiten oder im Freien sitzen, aber mit Prunk und Pracht hat dieser Funktionsbau an alteingesessener Arbeiteradresse nichts zu tun. Und auch dort arbeiten Leute. Und es ist selbstverständlich, daß diese Damen und Herren dafür Geld bekommen. Ja, es ist sogar klar, daß man den drei, vier höheren Herren dort jeweils ein bequemes und komfortables Auto zur Verfügung stellt und ihnen ein, der Verantwortung angemessenes Gehalt zahlt. Aber von der Prunksucht und dem Geld-aus-dem-Fenster-werfen, wie man es von der Frankfurter Geldmeile kennt, da ist man weit, weit entfernt.

Denn hier müssen keine auf den schnellen Gewinn schielenden Aktionäre bedient werden, hier gibt es keine Finanzhaie, die im Boot sitzen und hier wird kein Geld in australischen Bauprojekten verbraten.

Eine solidarische Sterbegeldversicherung stopft die erzielten Gewinne in den großen Topf, sodaß sie allen Versicherten zu Gute kommen.

Nun kommen wir zu Solvency II zurück.

Die Gefahr, die dieses Regulierungswerkzeug mit sich bringt, liegt darin, daß große Konzerne nun die Töpfe ihrer Kunden, z.B. Beitragsrückstellungen usw., quasi wie Eigenkapital behandeln können und vor der Hand solventer aussehen.

Das Geld, das man als Konzern in dieser Branche haben muß, hat man also in Wirklichkeit oft gar nicht in vollem Umfang, sondern bedient sich hier durch Rechentricks, clevere Umbuchungen und Schiebereien aus den Töpfen, die eigentlich den Kunden gehören und die denen unter Umständen dann verloren gehen.

Und das ist der Grund, warum auch so kompliziert klingende Dinge wie Solvency II jeden von uns interessieren sollten.

Vielleicht habe ich Ihnen ja mit diesem Beitrag hier ein wenig Transparenz verschafft.

 

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