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Sind Überurnen notwendig?

27.03.2015

Lieber Herr Wilhelm, ich habe heute ihren Blog bei der Solidarversicherung entdeckt. Da schreiben sie in einem Text, man müsse keine Urne kaufen. Sind denn alle Bestatter, die einem eine Urne verkaufen, dann Betrüger?

Liebe Frau W., ich nehme an, Sie meinen diesen Artikel über Urnen im Ehrensacheblog.

Darin ging es darum, daß man eine Schmuck- oder Überurne nicht zwingend benötigt.

Aber man benötigt auch nicht zwingend einen anderthalb Meter breiten Flachbildfernseher oder ein Gemälde an der Wand.

Viele Dinge, die man sich leistet, sind überflüssig oder würden es in einer weniger aufwendigen Version auch tun.

Man gönnt sich diese Sachen aber, weil sie einem Freude bereiten oder das Leben erleichtern.

Würde mich jetzt jemand fragen: "Muß ich mir unbedingt ein wertvolles Gemälde kaufen, um mein Wohnzimmer zu verschönern?", so würde ich dieser Person wahrscheinlich Tips geben, wie man auf verschiedene Weisen, ohne große Geldausgabe, sein Heim dekorieren kann. Ich würde aber auch dazuschreiben, daß er sich das Gemälde ruhig kaufen soll, wenn er es sich leisten kann und sein Herz daran hängt.

Ebenso ist das mit den Schmuckurnen.

Die Asche ist nunmal bereits ab Krematorium in einer festen Dose, die so wie sie ist beigesetzt werden kann. Hat man nun sowieso kein Geld und ist diese Aschenkapsel dann bei der Beisetzung auch noch üppig mit Blumen geschmückt und bedeckt, sehe ich wirklich keinen zwingenden Grund, auch noch viel Geld für eine Überurne auszugeben.

Ich habe während meiner Geschäftstätigkeit als Bestatter niemals Kunden ohne wichtigen Grund eine Schmuckurne verkauft.

Man benötigt sie nämlich weder bei anonymen Bestattungen, noch bei Seebestattungen.

Bei der anonymen Beisetzung bekommt sowieso keiner die Urne zu sehen und bei Seebestattungen wird die Asche ohnehin in eine Seeurne umgefüllt.

Ebenso ist das bei den meisten Formen der Waldbeisetzung.

Hier seitens des Bestatters zu sagen: "Wollen Sie die Asche wirklich in der nackten Dose beisetzen?", ist reines Verkaufsgespräch und in meinen Augen unlauter.

Selbstverständlich hat die Schmuckurne ihre Berechtigung.

Man stellt ja beispielsweise auch Blumentöpfe nicht ohne einen schmückenden Übertopf auf die Fensterbank, und auf Räder macht man zierende Radkappen.

Oft möchte man die der Funktion geschuldete Nüchternheit mancher Objekte durch etwas Zierat verschönern.

Das ist durchaus richtig und gut so.

Die Aschenkapsel mag zwar von ihrer Funktion her für den Zweck einer Beisetzung taugen, aber wirklich schön ist sie nicht.

Sie ist in den allermeisten Fälle eine anthrazitfarbige bis schwarze Blechdose mit silberfarbigem Deckel. Damit erfüllt sie die Funktion, die Asche dicht aufnehmen zu können und auf dem Deckel den Namen und die Lebensdaten des Verstorbenen zu tragen.

Man wählt aber nun für die Beerdigung auch nicht unbedingt den billigsten Sarg aus recht rohem Holz, sondern einen, der auch dem Auge der Trauergäste einen etwas schöneren Anblick bietet, oder der eventuell sich in irgendeiner Weise mit dem Verstorbenen verbinden läßt.

"Mein Mann wollte immer Möbel in Eiche altdeutsch, so soll auch sein Sarg sein." Oder: "Mein Mann hatte Grün als Lieblingsfarbe, wir möchten einen grünen Sarg."

Genau so ist das auch bei den Überurnen. Sie verdecken den rein technischen Zweck der Aschenkapsel, bieten dem Auge des Betrachters eine schönere Optik und spiegeln eventuell besondere Vorlieben des Verstorbenen oder der Angehörigen wieder.

So gesehen haben Über- oder Schmuckurnen durchaus ihre Berechtigung und es ist auch völlig angemessen, wenn der Bestatter seinen Kunden diese Produkte zeigt.

 

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