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Mahnung Amtsgericht, Klage Bestatter

05.08.2015

Da ruft eine Frau ganz aufgeregt auf meiner Hotline an.

Sie schildert mir folgenden Fall: Vor knapp einem Jahr ist der Vater der Frau gestorben, zu dem sie über 25 Jahre keinen Kontakt hatte.

Vom Tod ihres Vaters erfuhr sie erst knapp 2 Wochen nach dessen Tod von einem Bestattungsinstitut.

Beim Sozialamt stellte sie einen Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten.

Das Sozialamt stellte fest, daß auf dem Konto des Verstorbenen Geld für die Bestattung vorhanden sei. Deshalb erhielt die Antragstellerin keine Kostenübernahme vom Sozialamt, sondern nur eine Vollmacht für den Bestatter, damit dieser über das Kontoguthaben des Verstorbenen verfügen und daraus seine Kosten begleichen kann.

Abschließend schlug die Fragestellerin das Erbe aus.

Nun, fast ein Jahr später, erhält sie einen Mahnbescheid vom Amtsgericht. Der Bestatter fordert von ihr die Übernahme der Bestattungskosten in Höhe von fast 2.800 Euro.

Die Frau ist verwirrt, hat nie eine Rechnung oder Mahnung erhalten und ihr liegt der Kontoauszug über das damalige Guthaben ihres Vaters vor.

Nun schreibt sie diesen Fall im Internet auf einer Rechtsanwaltsplattform und erhofft sich dort Hilfe.

Die lapidare Antwort des Anwalt lautet, die Frau solle Widerspruch gegen den Mahnbescheid einlegen, denn sie müsse die Bestattungskosten nicht bezahlen, das sei Sache des Erben, und sie habe ja das Erbe ausgeschlagen.

Tja, wenn es denn so einfach wäre.

Zunächst einmal der Reihe nach:

Bestattungspflichtig und damit zur Übernahme der Kosten verpflichtet sind die Angehörigen, nicht der Staat.

Sind die Angehörigen mittellos können sie sich an das Sozialamt wenden.

Verfügte der Verstorbene über ausreichendes Vermögen, muß dieses zunächst zur Zahlung der Bestattungskosten herhalten.

Das Ausschlagen des Erbes führt nicht dazu, daß man als Angehöriger nicht bestattungspflichtig ist.

Von einem anderen Erben berichtet die Frau nichts, es scheint nur sie als Bestattungspflichtige zu geben.

Natürlich ist es kein feiner Zug vom Bestatter, der Frau gleich einen Mahnbescheid zustellen zu lassen, es ist aber nicht möglich, festzustellen, ob wirklich keine Rechnung oder Mahnung zugesandt wurden.

Tatsächlich kann die Frau sich gegen den Mahnbescheid mittels Widerspruch wehren, das führt aber höchstwahrscheinlich zu einer Gerichtsverhandlung deren Kosten (auch die des Bestatters!) sie dann ggfs. noch hinzukommend zu übernehmen hat.

Wichtigste Aufgabe wäre es jetzt, zu klären, was aus dem Guthaben des Verstorbenen geworden ist.

Irgendwo muß das Geld ja geblieben sein.

Da kein anderer Erbe da ist, kommt eigentlich nur das Sozialamt selbst oder die Bank in Frage.

Banken gleichen ein Minus auf anderen Konten (z.B. Überziehungskredit auf einem Girokonto) mit einem Guthaben auf dem Sparbuch aus. Unterm Strich bleibt dann manchmal nichts.

Eventuell, und auch das ist schon vorgekommen, hat aber auch der Rententräger eine bereits überwiesene Rente wieder zurückfordern können.

Wurde das Geld zu Recht von irgendwem beansprucht, hat die Fragestellerin ganz schlechte Karten. Als Angehörige ist sie für die Bestattungskosten verantwortlich.

 

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