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Kann ich meinen Vater exhumieren und in die USA bringen lassen?

21.03.2016

Leserfrage: Mein Vater ist vor 25 Jahren gestorben. Ich war damals erst 13 Jahre alt und habe mich daher nicht mit den Details der Bestattung auseinander gesetzt. Mein Vater wurde in einem Einzelgrab bestattet und nun habe ich erfahren, dass das Grab in sehr naher Zukunft aufgeloest werden soll.

Ich lebe inzwischen seit vielen Jahren in den USA und würde nun gerne die Überreste meines Vaters exhumieren und nachträglich einaeschern lassen und die Urne daraufhin mit zu mir in die USA nehmen, so dass mein Vater einmal hier mit mir und meiner eigenen Familie begraben ist (ich bin sein einziges Kind).

Ist so etwas möglich? Denken Sie die Kosten für die Exhumierung und das Kremieren der Überreste ohne eine Beisetzung der Urne würden sich im Rahmen halten oder ist so etwas deutlich teurer als eine normale Bestattung?

Die Hürden für eine Exhumierung sind in Deutschland sehr hoch.

Im Vordergrund steht die Totenruhe, die nicht gestört werden darf.

Das gilt sowohl für die Zeit direkt nach der Bestattung, als auch für die Zeit später.

Wir haben in diesem Fall den Zeitraum erreicht, den ich oben mit „die Zeit später“ umschrieben habe.

Das Grab läuft bald ab und die Mindestruhezeit für diesen Verstorbenen ist lange abgelaufen.

In den Augen des Friedhofsamtes gilt der Verstorbene insoweit als vergangen, als dass man jetzt das Grab auflösen oder neu belegen könnte.

Im Gegensatz zu Beisetzungen in den USA ist in Deutschland das Einbalsamieren nicht üblich.

Auch werden die Särge direkt in das Erdreich gestellt.

Das bedeutet, dass nach Ablauf von 25 Jahren nicht mehr so viel vom Leichnam erhalten ist, wie Sie sich das vielleicht vorstellen.

Die Chancen, mehr als nur Knochenfragmente zu finden, sind sehr gering.

Ein Exhumierung müsste vom zuständigen Friedhofsamt genehmigt werden.

Sie müssten also einen Antrag an das Friedhofsamt der Stadt stellen, in der sich der Friedhof befindet.

Gehen Sie aber davon aus, dass dieser Antrag eher nicht genehmigt wird.

Würde er genehmigt, wäre die Exhumierung schwierig.

Im Laufe der Jahrzehnte ist, wie ich oben schon sagte, nicht mehr viel vom Leichnam übrig. Aus der ausgebaggerten Erde müssten wenige Überbleibsel mühsam herausgesucht werden.

Ob ein Krematorium bereit wäre, diese dann einzuäschern, müsste man auch erst noch klären.

Eine solche Exhumierung würde ungefähr 900-1.500 Euro kosten, das ist aber nur eine grobe Schätzung.

Für die Gebeinekiste, einen kleinen etwas groben Sarg für den Transport des Reste zum Krematorium, fallen zwischen 90 und 200 Euro an.

Die Einäscherung kostete dann ca. 300-500 Euro.

Die Urne käme auf rund 100-250 Euro.

Hinzu kämen Verwaltungsgebühren und der Urnenversand.

Sie müssten für die Koordinierung der Abläufe einen Bestatter in Deutschland einschalten, der mit etwa 1.000 Euro oder mehr zu Buche schlagen würde.

Insgesamt kommen wir auf Kosten von ca. 2.500 bis 3.250 Euro.

Noch einmal zum Verständnis: Nach Ablauf der Mindestruhezeit, was hier der Fall ist, gilt der Verstorbene als vergangen. Er ist weg.

Es gibt dann im Grab nichts mehr, das als Leichnam gelten würde. Was bleibt, sind wenige Reste und die Erinnerung.

Solche Anfragen wie Ihre bekomme ich häufiger. In allen mit bekannten Fällen wurde die Exhumierung NICHT gestattet.

Ich rate den Angehörigen dann immer Folgendes: Beauftragen Sie jemanden in Deutschland, beim Bestatter eine Urne zu erwerben. Lassen Sie dann die Urne mit der geweihten Graberde auffüllen.

So haben Sie den Boden, in dem der Vater bestattet war, als Symbol.

Dieses Verfahren würde, bis auf die Urne und den Versand so gut wie nichts kosten.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meiner Antwort helfen.

 

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