Tarifrechner

Berechnen Sie hier direkt Ihren günstigen Beitrag bei der SOLIDAR:

Ihr Beitrag

Tarif 18
nur 0 € monatlich
Tarif 19
nur 0 € monatlich
Tarif EB
0 € einmalig

Es ist alles nur geliehen! Zwingen Sie den Erben nicht ihren Willen auf!

Während meiner Tätigkeit als Bestatter und bis heute wurden und werden mir sehr häufig Testamente vorgelegt.

Zumeist äußern die Erben großes Unverständnis über den Inhalt.

Grund dafür ist, daß die Erblasser nicht darüber nachgedacht haben, was für die Hinterbliebenen die beste Lösung wäre und was ihren Wünschen entsprechen würde, sondern lieber eigene Vorstellungen und über den Tod hinauswirkende erzieherische Maßnahmen durchzusetzen versuchen.

Da steht ein Mann in meinem Büro, der schon vor Jahren die Hälfte eines Einfamilienhauses beim Tod seiner Mutter geerbt hat. Seine Geschwister hat er damals ausbezahlt.

Nun stirbt der Vater, dem auf dem Papier noch die andere Hälfte gehörte und vermacht diese Hälfte allen seinen sieben Kindern zu gleichen Teilen.

Schon im Vorfeld hatte sich eine der Töchter quergestellt und angezeigt, daß sie ihren Anteil verkaufen will.

Die anderen Geschwister wären mit einer abermaligen finanziellen Ausgleichung einverstanden.

Eine Erbengemeinschaft kann aber nur als Gemeinschaft entscheiden und nicht mehrheitlich durch Abstimmung.

Probleme sind also vorprogrammiert.

Der Verstorbene wollte seine zerstrittenen Kinder durch sein Vermächtnis nachträglich disziplinieren, was gründlich in die Hose gegangen ist.

Eine andere Frau verstirbt und möchte ihr Haus nur dann ihren drei Kindern vermachen, wenn diese sich verpflichten dort gemeinsam mit ihren drei Ehepartnern in einer Art Wohngemeinschaft zu leben.

Auch hier wollte die alte Dame eine idealisierte Form des Einvernehmens und des Zusammenlebens erzwingen.

Da kein Nachlassverwalter eingesetzt war, der das hätte überwachen können, und weil hier gilt: "Wo kein Kläger, da kein Richter", haben die Kinder auf meinen Rat das Erbe angenommen und sich dann anderweitig geeinigt.

Natürlich kann man in seinem Testament Bedingungen aufstellen. Sehr häufig ist die Verpflichtung: "Du erbst soundsoviel, wenn Du dann 20 Jahre lang mein Grab pflegst."

Auch hier gilt das oben Gesagte bezüglich der Überprüfbarkeit. Aber dank Friedhofsgärtnereien, die einem so etwas abnehmen, ist dieser Wunsch ein leicht erfüllbarer.

Es hat schlicht und ergreifend keinen Zweck, seinen Erben etwas aufzwingen zu wollen, was absehbar zu Krach, Zwietracht und Zerwürfnis führen wird. Auch bestehende Zerwürfnisse lassen sich durch eine Verpflichtung zur Gemeinsamkeit niemals kitten!

So wie die Verhältnisse zu Lebzeiten des Verstorbenen sind, so werden sie zumeist auch nach seinem Tode sein und bleiben.

Wenn sich da wieder etwas einrenken soll, dann tut es das ganz von alleine, aber niemals durch eine Verpflichtung aufgrund von Erbschaft.

Eher das Gegenteil des beabsichtigten Zwecks ist zu erwarten!

Wer als Erblasser sicherstellen will, daß seine Wünsche auch Beachtung finden, der muß einen Nachlassverwalter bestellen, der die Erfüllung der Bedingungen auch kontrolliert. Das kostet zwar Geld, ist aber die einzige Möglichkeit, wirklich über seinen Tod hinaus etwas wirkungsvoll festlegen zu können.

Bezüglich seines Testamentes soll man milde Gedanken in seinem Kopf und Herzen bewegen. Man sollte sich überlegen, wer von den Erben was benötigen könnte und dabei Gerechtigkeit üben.

Jemandem bestimmte Güter aufzuzwingen, mit denen er nichts anfangen kann, ist dummes Zeug. "Erwin soll meine 20.000 Stücke umfassende Kugelschreibersammlung erben, bekommt aber nur dann auch noch 10.000 Euro Bargeld, wenn er ein Reklamekugelschreibermuseum in seiner 2-Zimmerwohnung einrichtet."

Kann der Erbe das Erbe überhaupt finanziell stemmen?

Was nützt es einem Hartz-IV-Empfänger, wenn er einen 90 Jahre alten Oldtimer erbt, mit der Maßgabe, diesen zu restaurieren und an Oldtimer-Treffen teilzunehmen? (Fall aus der Praxis!)

Warum vermacht jemand ein Haus mit sechs Zimmern auf dem Land an seine alleinstehende Großstadttochter aus Berlin, während drei Kilometer vom Haus entfernt sein Sohn mit Frau und zwei kleinen Kindern teuer zur Miete wohnt?

Man sollte seine Vermögenswerte auch nicht überschätzen!

Sammlungen aller Art sind meist tatsächlich nur einen Bruchteil dessen wert, was man glaubt oder was einem von Experten gesagt wurde. Zwischen dem ideellen und dem Anschaffungswert und dem, was die Sammlung im Falle eines Verkaufs erlösen wird, liegen oft Welten!

Es ist ungerecht, dem einen Erben eine Sammlung zu hinterlassen, und dem anderen Erben Firmenanteile oder Immobilien.

Nein, man sollte in sich gehen und ruhig auch schon mal mit den in Frage kommenden Erben sprechen.

Bringen Sie in Erfahrung, was Ihre Erben von dem beabsichtigten Erbe halten.

Eventuell kann es ratsam sein, die Erben erst einzeln und dann gemeinsam zu einem Gespräch zu bitten. An den Reaktion in diesem Gespräch und in der Zeit danach können Sie gut ablesen, was an Einvernehmen oder an Streitigkeiten durch das beabsichtigte Erbe ausgelöst werden kann.

Man selbst hat nur eine beschränkte Zeit auf Erden und das letzte Hemd, so sagt es der Volksmund, hat bekanntlich keine Taschen. Man kann von den erworbenen irdischen Gütern nichts mitnehmen.

Sein Hab und Gut wird zurückbleiben und gehört denen, die einem nachfolgen.

Das was man besitzt, gehört also den Nachfahren. Man kann damit weitestgehend machen, was man möchte, das was aber am Ende übrig ist, gehört den Erben.

Und genau unter diesem Gesichtspunkt sollte man sein Testament schreiben! Wer würde sich über was freuen und wie vermeide ich Ungerechtigkeiten.

Vorher mit den potentiellen Erben sprechen, das hilft, Mißverständnisse zu vermeiden und Streit zu verhindern.

 

Zurück


Archiv