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Die Urne für zu Hause

02.12.2015

Manche Angehörige wünschen sich, nach der Einäscherung des Verstorbenen die Urne mit dessen Asche zu Hause aufbewahren zu können oder die Asche an einem besonderen Ort zu verstreuen.

In Deutschland gilt jedoch für Totenaschen Friedhofspflicht und Beisetzungspflicht.

Abgesehen von der Seebestattung, bei der die Asche in einer auflösbaren Urne dem Meer übergeben wird, und der Beisetzung einer verrottbaren Urne in einem Beseitzungswald gibt es derzeit keine Möglichkeit, mit der Asche eines Verstorbenen anders zu verfahren.

Einige Friedhöfe bieten neben der Beisetzung der Urne in einem Erdgrab auch noch das Einstellen der Urne in eine Urnenwand oder einem Kolumbarium sowie das Verstreuen der Asche auf einer Beisetzungswiese des Friedhofs an.

Das Aushändigen der Asche an die Angehörigen ist nicht gestattet. Es ist auch nicht erlaubt, Totenasche zu Hause aufzubewahren oder an einem beliebigen Ort zu verstreuen.

Zwar gibt es Bestrebungen, diese Bestimmungen zu ändern, aber im Grundsatz gilt: Totenasche gehört komplett in die Urne und diese wiederum gehört auf einen Friedhof.

Nun gibt es Bestatter und Dienstleister, die andere Umgangsformen mit der Asche anbieten.

Viele dieser Dienstleistungen benötigen nur wenige Gramm der Asche, etwa, um sie in ein Gedenkamulett zu füllen oder einen Diamanten daraus zu pressen.

Doch auch damit dürfte jetzt, nach einem aufsehenerregenden Urteil des Bundesgerichtshofs vorbei sein.

Einige dieser Angebote versprechen aber, daß über den Umweg über die Niederlande oder die Schweiz die Angehörigen völlig legal in den Besitz der Urne kommen können.

Manche Dienstleister verweisen darauf, daß die Inbesitznahme der Urne nur eine kleine, nicht einmal mit Strafe belegte Ordnungswidrigkeit sei.

Um diese Angebote in Anspruch zu nehmen, wird der Verstorbene zunächst in Deutschland normal eingeäschert. Dann wird dem Friedhofsamt gegenüber so getan, als würde die Asche in den Niederlanden oder der Schweiz beigesetzt.

Diese Möglichkeit gibt es ja auch grundsätzlich, denn einige Menschen möchte ja tatsächlich irgendwo im Ausland bestattet sein.

Aber dann wird vor Ort, in Holland oder der Schweiz, eben anders entschieden und die Asche wird nicht oder nicht vollständig beigesetzt. Sie wird dann als Paket den Angehörigen zugestellt.

Ich habe das einigen wenigen Angehörigen auch ermöglicht. Es handelte sich aber stets um wirklich ausgewählte Fälle mit guter, nachvollziehbarer Begründung und einer gewissen Sicherheit, daß die Urne später auch nicht, sagen wir mal, auf dem Sperrmüll landet. Ein Beispiel: Eine Frau hatte ihren Mann verloren und plante, zwei Jahre später nach Südfrankreich auszuwandern. Der genaue Ort stand aber noch nicht fest. Deshalb wollte sie die Urne ihres Mannes besitzen, um sie zwei Jahre später auf einem französischen Friedhof, nahe ihres künftigen Wohnortes beisetzen zu können.

In einem anderen Fall nahm ein Mann die Urne seiner Gattin mit nach Kanada, wo sie 34 Jahre lang gelebt hatten, um die Asche dort in einen Fluß zu streuen.

Das Verfahren funktioniert also, die Möglichkeit ist tatsächlich gegeben.

Nur ist es eben doch nicht so einfach und unproblematisch, sich in den Besitz der Asche zu bringen.

Denn es handelt sich zwar nur um eine Ordnungswidrigkeit, aber man weiß nicht, ob nicht ein strenger Staatsanwalt eventuell auch noch eine Störung der Totenruhe daraus konstruiert.

Außerdem mag zwar die Ordnungswidrigkeit mit keiner oder einer nur sehr geringen Strafe belegt sein, jedoch könnte das Friedhofsamt bzw. die Ortspolizei- oder Ordnungsbehörde Wind davon bekommen und eine Beschlagnahme mit Hausdurchsuchung veranlassen, sowie eine durchaus teure Zwangsbestattung von Amts wegen veranlassen!

So ganz ohne ist das alles also nicht!

Deshalb ist es wichtig, daß man sich in allen Fragen rund um die Bestattung, und insbesondere wenn man Sonderwünsche hat, an einen erfahrenen, niedergelassenen Bestatter vor Ort wendet und keinesfalls irgendeines der teilweise dubios erscheinenden Billigangebote aus dem Internet wahrnimmt. Das ist mein persönlicher Rat.

 

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