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Die Oma wird anonym beerdigt

14.10.2015

Sehr geehrter Herr Wilhelm,

meine Oma hat sich beim städtischen Bestattungsdienst eine Vorsorge aufschwatzen lassen. Am Tag der offenen Tür war sie dort und kam mit dem Vertrag wieder nach Hause.

Tag der offenen Tür war beim Friedhof unserer Stadt. Ich wußte gar nicht, das die Stadt auch ein Beerdigungsinstitut ist. Eigentlich wollte die Oma sich nur nach der Laufzeit des Grabes vom Opa erkundigen.

Hintergrund ist folgender: Opa ist schon über zwanzig Jahre tot und Oma hat das Grab immer gepflegt. Nun mag sie aber nicht mehr und das Grab vom Opa kommt bald weg.

Deshalb hat sie für sich auch eine anonyme Bestattung gewählt. Was bedeutet hier anonym?

Sie sprechen zwei Themen an. Eins davon haben Sie in eine Frage gekleidet und deshalb beantworte ich diese zuerst:

Unter anonymer Bestattung wird mittlerweile Verschiedenes verstanden. Im Grunde genommen bedeutet eine anonyme Bestattung, daß man weder Zeitpunkt noch Ort der Beisetzung erfährt.

Das wird dann irgendwann, irgendwo auf dem Friedhof gemacht, und man hat kein Grab, das man pflegen müßte.

Auf den meisten Friedhöfen gibt es bestimmte Plätze, an denen die anonymen Bestattungen regelmäßig vorgenommen werden.

Gewählt werden diese Bestattungen einerseits aus Kostengründen und andererseits wegen der nicht notwendigen Grabpflege.

Ihre Großmutter wird sich denken, daß nach über zwanzig Jahren der Pflege des Grabes vom Opa genug Grabpflege betrieben worden ist und sie ihren Nachkommen nicht so viel Arbeit machen möchte.

Auf manchen Friedhöfen kann man sogar bei der Urnenbeisetzung dabei sein, man weiß also, wo diese beigesetzt wurde, jedoch darf man diese Stelle nicht pflegen oder schmücken.

Das andere Thema, das Sie ansprechen ist die Verquickung von hoheitlichen und wirtschaftlichen Aufgaben der Stadt.

Einmal haben wir es mit dem kommunalen Friedhof und dem Friedhofsamt als Behörde zu tun. Friedhof und Friedhofsamt haben sich am Tag der offenen Tür der Bevölkerung geöffnet, um einen Einblick in ihre Arbeit zu geben.

Als rein privatwirtschaftlicher Betrieb existiert in Ihrer Stadt aber auch noch ein städtischer Bestattungsdienst, der ein Eigenbetrieb der Stadt ist, aber wirtschaftet, wie andere Unternehmen auch und damit in direkter Konkurrenz zu den gewerblichen Bestattern steht. Oft genug ist es zu beobachten, daß gerade bei Tagen der offenen Tür kein Unterschied zwischen Behörde und Wirtschaftsunternehmen gemacht wird.

Alte Leute wollen sich beim Amt nur mal nach Grablagen und Laufzeiten erkundigen, landen dann aber im gewerblichen Bestattungsunternehmen der Kommune und merken gar nicht den Übergang von Behörde zu Gewerbebetrieb.

Vielmals besteht in der Bevölkerung auch der Eindruck, die kommunalen Bestattungsdienste seien besonders günstig oder man habe als Bürger dieser Stadt etwa die (moralische) Verpflichtung, sich von diesem Dienst bestatten zu lassen.

Nach meinen Beobachtungen sind diese Bestattungsdienste aber nicht günstiger als andere Bestatter und so manche mir vorgelegte Rechnung zeigt sogar das Gegenteil.

Irgendeinen Vorteil hat man als Bürger der Stadt nicht.

Wie bei allen größeren Geschäften, und das ist eine Bestattungsvorsorge ja durchaus, sollte man Preise vergleichen, verhandeln wie ein Orientale und hartnäckig nach (günstigeren) Alternativen fragen. Und als älterer Mensch sollte man immer jemanden zu diesen Gesprächen mitnehmen. Denn gerade beim Thema Bestattung spielen auch Emotionen eine Rolle und das ist die Anwesenheit einer neutralen Person oft sehr hilfreich.

 

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