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Die Friedhofsverwaltung hat meinen Vater verraten

Leserfrage:

Ich bin völlig fassungslos. Mein Vater ist vor 3 Monaten anonym beigesetzt worden. Der Bestatter hat uns gesagt, man würde weder Ort noch Zeitpunkt der Bestattung erfahren.

Nun hat mein Bruder, zu dem die Familie aus bestimmten Gründen keinen Kontakt mehr hat, bei der Friedhofsverwaltung angerufen. Und die haben ihm den Platz gesagt, wo die Urne unseres Vaters begraben ist.

Er weiß jetzt, daß es in Abteilung A, Feld 13 ein anonymes Feld gibt, auf dem über hundert Urnen beigesetzt sind.

Wir finden das nicht korrekt. Das hätte doch geheim bleiben sollen. Wofür haben wir schließlich anonym gebucht?

Kann man den Vater jetzt ausgraben und woanders geheim bestatten lassen?

Nun ja. Anonym heißt, wie Sie richtig schreiben, daß man weder Ort noch Zeit der Beisetzung erfährt.

Es gibt also keine Beisetzungsfeierlichkeiten. Die Urne wird stattdessen von den Friedhofsarbeitern, oft gemeinsam mit anderen Urnen, an einem unbekannten Termin beigesetzt.

Man erfährt auch nicht die genaue Lage des Beisetzungsortes. In dem Fall bedeutet anonym nämlich auch, daß man an die Stelle, an der die Urne liegt, keine Blumen oder Kerzen bringen kann. Man muß dafür auch keine Grabpflege betreiben.

Aber natürlich handelt es sich bei einer anonymen Bestattung nicht um eine Geheimbestattung. Die Flächen, auf denen Urnen anonym beigesetzt werden, sind allgemein bekannt und oft auch entsprechend gekennzeichnet.

Meist gibt es sogar eine zentrale Gedenkstelle für alle anonym Beigesetzten, an der man auch mal ein paar Blümchen lassen kann.

So ist es auch nicht ungewöhnlich, daß jemand beim Friedhofsamt die Auskunft bekommt, auf welchem Teil des Friedhofes die anonymen Gräber liegen. Es ist ja trotz der anonymen Beisetzung nicht verboten, diese Fläche aufzusuchen und dort zu trauern.

Viele Friedhofsverwaltungen bieten aber die Möglichkeit, bei der Bestattung den Vermerk "Keine Auskunft" in die Akte aufnehmen zu lassen. Dann wird über die Umstände der Beisetzung weitestgehend keine Auskunft gegeben, sondern an den Auftraggeber verwiesen.

Wer hundertprozentig sichergehen will, daß eine Urnengrabstelle nicht mehr auffindbar ist, der sollte eine Seebestattung wählen.

Hier wird der Beisetzungsort auf einer Seekarte eingetragen und den Angehörigen mitgeteilt.

Eventuell könnte sich auch der ungeliebte Bruder die Information verschaffen, an welchem Längen- und Breitengrad die Stelle liegt, an der die Urne der See übergeben wurde. Jedoch dürfte es schwer fallen, dorthin zu gelangen und irgendetwas zu unternehmen.

Um Ihre abschließende Frage auch noch zu beantworten: Nein, der Vater ist anonym beigesetzt. Der genaue Ort ist nicht bekannt. Es gibt keinen Grund zur Umbettung, hier wiegt die Totenruhe schwerer als das Interesse an einem geheimen Beisetzungsort.

 

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