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Der Eventmanager des Todes

18.09.2015

Manchmal, wenn mich Leute fragen, was denn ein Bestatter so alles macht, fasse ich das mit dem kurzen Satz zusammen: Er ist der Eventmanager des Todes.

Wenn auch aus traurigem Anlaß, so gestaltet und organisiert er doch mit die größten Familienfeste, die in einer Familie vorkommen.

Große Jubiläen und Kindstaufen übergibt man gerne einem Partyservice, organisiert aber den Rest meistens selbst, es gibt ja nicht viel zu beachten.

Doch schon bei Hochzeiten sind die Möglichkeiten der Gestaltung so mannigfaltig, daß man sich oft eines so genannten Weddingplanners bedient.

Er sorgt dafür, daß die Abläufe bei Standesamt und Kirche, sowie die Zusammenarbeit mit Pfarrer, Musikern, Vereinen, Fotografen, Essenslieferanten und Kutschfahrern reibungslos vonstatten gehen.

Beim Bestatter wissen die Leute immer nur eins, weil ihnen das als unangenehm und für sie selbst abstoßend vorkommt, nämlich der Umgang mit dem Verstorbenen.

Ja, das gehört auch zum Berufsbild des Bestatters. Aber schaut man sich die Abläufe einer Beerdigung an, dann macht die Zeit, die er mit dem Verstorbenen zubringt, nur einen Bruchteil davon aus.

Tatsächlich ist er Organisator, Koordinator und Eventmanager.

Er sorgt dafür, daß "just in time", also zum perfekten Zeitpunkt Pfarrer, Totengräber, Sargträger, Musiker, Redner, Blumenlieferanten, Steinmetz und Hilfspersonal an der richtigen Stelle sind.

Er verabredet die Termine, sorgt für die Logistik und kennt die besten Lieferanten. Nur er kennt alle Bestimmungen und Vorschriften und nur er ist in der Lage, das alles mit einem vertretbaren Aufwand zu erledigen.

Alles das, bis vielleicht auf den Transport des Verstorbenen, können die Angehörigen auch selbst machen. Sie könnten ja auch eine Hochzeit komplett selbst organisieren. Aber man würde allein schon bei den Behörden von Pontius zu Pilatus geschickt, wie man so sagt, und man würde drei bis vier Tage opfern und viel Wartezeit aufbringen müssen, um wenigstens einen Teil der Gänge selbst zu erledigen.

Warum aber Eventmanager? Nun, wir Bestatter sehen Beerdigungen und Trauerfeiern nicht als schnelle Entsorgung mit stets der gleichen 08/15-Trauerfeier, sondern wir sehen, daß zu diesem Anlaß die ganze Familie von nah und fern herbeikommt, daß zwei Säle angemietet werden müssen (Trauerhalle und Nebenzimmer im Lokal), daß Blumen und Dekoration, sowie Redner und Musiker bestellt werden müssen und somit die Abläufe anderen familiären Großereignissen ganz ähnlich sind.

Uns Bestattern ist aber bewußt, daß sogar bei einer Hochzeit durchaus die Möglichkeit gegeben ist, daß diese in die Hose gehen kann, etwa weil die Braut Nein sagt, oder weil der Bräutigam die Hosen voll hat und kurz vor den entscheidenden Worten in der Kirche ohnmächtig wird.

Kurz gesagt, eine Hochzeit kann man wiederholen.

Eine Beerdigung ist aber etwas Einzigartiges, etwas nicht Wiederholbares und etwas, auf das die Menschen mit ganz besonders kritischen Augen schauen.

Stimmen die Blumen bei einer Hochzeit im Farbton nicht so ganz, wird man das anmerken, hat aber vor Augen, daß man im Leben noch viele Gelegenheiten hat, die passenden Blumen in der richtigen Farbe zu bekommen.

Sind bei einer Beerdigung beim Deckelgesteck auf dem Sarg die Blumen in der falschen Farbe, so ist das meist eine mittlere Katastrophe. Bei diesem einmaligen, letzten und nicht wiederholbaren Gang, da hätte doch alles perfekt sein sollen; jetzt hat man immer und für alle Zeiten vor Augen, daß der geliebte Verstorbene nicht mit apricot-farbenen Rosen, sondern mit pfirsichfarbenen Rosen hat unter die Erde gehen müssen.

Man sieht, in der Vorstellung der Menschen hat eine Hochzeit, wegen ihres positiven Freudecharakters einen viel höheren Stellenwert, als eine Beerdigung.

Und dennoch werden die Abläufe bei einem Trauerfall wesentlich ernster genommen und genauer unter die Lupe genommen, was den Stellenwert für die Wichtigkeit der Arbeit des Bestatters deutlich erhöht.

Dieser muß viel mehr auf die peinlich genaue Erfüllung der Aufträge achten und alle Abläufe noch viel deutlicher kommunizieren.

Denn man muß auch berücksichtigen, daß man eine Hochzeit meist viele Monate plant, ja manchmal ein bis zwei Jahre im Voraus mit den Vorbereitungen beginnt.

Ein Bestatter muß in der Lage sein, eine fast genauso große Planung binnen Minuten auf den Tisch zu legen! Die Menschen rufen an, nach zwei Stunden ist der Verstorbene abgeholt und eine halbe Stunde später sitzen die Angehörigen beim Bestatter und wollen ein fix und fertiges Konzept für die weiteren Abläufe vorgelegt oder mitgeteilt bekommen.

Der Bestatter muß also über ungeheuer viele Kontakte und ein immenses Fachwissen verfügen, damit so komplizierte Abläufe so einfach und reibungslos passieren können.

Und diesen Dienst, der Eventmanager des Todes zu sein, den bieten Bestatter 24 Stunden rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr, jederzeit!

 

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