Tarifrechner

Berechnen Sie hier direkt Ihren günstigen Beitrag bei der SOLIDAR:

Ihr Beitrag

Tarif 18
nur 0 € monatlich
Tarif 19
nur 0 € monatlich
Tarif EB
0 € einmalig

Denkmal, Karneval und Allerheiligen

Fast schon ein bißchen verächtlich reden manche über die "Leute die jetzt im November alle auf den Friedhof rennen".

Da wird dann gerne mal angeführt, man brauche den ganzen Zinnober mit Friedhof und so nicht, denn man könne ja auch sonst an jedem Platz und jederzeit seiner Toten gedenken.

Das erinnert mich an die, die mit Karneval nicht viel am Hut haben, und die immer sagen: "Ich brauche diesen aufgesetzten albernen Quatsch nicht, ich bin das ganze Jahr lustig."

Seltsamerweise höre ich diesen Satz aber vorwiegend von Leuten, die das ganze Jahr über sowieso und in der Karnevalszeit im Besonderen mit einem bräsigen Gesicht herumlaufen.

Karneval ist kein Zwang und keine Religion. Da kann jeder mitmachen, man muß aber nicht. Das was die Karnevalisten durch ganzjähriges intensives Üben und mit viel persönlichem finanziellen Einsatz da freiwillig auf die Beine stellen, das ist ein Angebot. Sie bieten den Menschen einen Anlaß. Es ist ein Anlaß zu albern sein, zum Feiern, zum Klönen, flirten und natürlich auch zum Saufen...

Alle die wollen, können da mitmachen.

Mal Abschalten vom Alltag, den Obrigen den Spiegel vorhalten, den Anlaß nutzen, alberner und freimütiger zu sein als sonst.

Und was hat Karneval jetzt mit den Totengedenktagen im November zu tun?

Nun, die Zeiten überschneiden sich. Genau in der Zeit, im Totengedenkmonat November, beginnt am 11.11. die Karnevalssession, die Saison der Narren.

Aber das ist nicht die einzige Parallele.

Natürlich kann man das ganze Jahr über an seine Verstorbenen denken, an jedem Platz, jederzeit. Dazu braucht man kein Grab. In dieser Situation befinde ich mich auch, denn die Gräber meiner Vorfahren gibt es mittlerweile schon lange nicht mehr.

Aber die Friedhöfe sind Stätten, auf denen die Familien ihren Verstorbenen kleine Denkmäler setzen. Das kleine Stück Grund davor wird liebevoll gepflegt, um zu zeigen: Du, der Du da liegst, Du bist mir immer noch was wert.

Natürlich sind Grabpflege und Friedhofsbesuche manchmal eine Last; aber die Menschen nehmen diese Last auf sich, um dem Verstorbenen und den Mitmenschen diese Wertschätzung zu zeigen.

Ich erinnere mich gut daran, wie ich als Kind meine Eltern auf den Friedhofs begleitete, während des Jahres und natürlich an Allerheiligen.

Dabei stellt man die Grabkerzen und Laternen an Allerheiligen gar nicht wegen des Allerheiligentages aufs Grab, denn an Allerheiligen wird, wie der Name schon sagt, aller Heiligen gedacht und nicht der Verstorbenen.

Das ist erst am nächsten Tag, an Allerseelen.

Den Lichterzauber veranstaltet man lediglich am dunklen Vorabend des Allerseelenfestes, damit die Kerzen die Nacht hindurch brennen können.

Das Besondere an den damit verbundenen Friedhofsbesuchen waren aber nicht nur die Besuche an den Gräbern der Großeltern, sondern verbunden war damit auch immer ein Rundgang über den Friedhof.

Da wurde noch ein entfernter Großonkel besucht, eine früh verstorbene Verwandte mütterlicherseits und die Kriegsopfergedenkstätte, weil ein paar Verwandte auch gefallen sind.

So war der Friedhofsrundgang nicht nur bloßer Kerzenzinnober, sondern immer auch eine genealogische Lehrstunde, eine Geschichtsstunde und auch ein wenig Gesellschaftskunde.

Auch hier investieren Menschen freiwillig viel Zeit und Geld in die Pflege der Gräber. Sie machen uns auch damit ein Angebot. Dieses können wir annehmen, oder es bleiben lassen.

Mal Abschalten vom Alltag, dem Leben den Spiegel vorhalten, sich mal wieder erden und auf den Friedhof gehen.

Machen Sie das mal!

 

Zurück


Archiv