Direkt Beitrag berechnen

Ihr Beitrag

Tarif 18
nur 0 € monatlich
Tarif 19
nur 0 € monatlich
Tarif EB
0 € einmalig

Dauerbrennerthema Grabpflege

09.02.2016

Streit unter Verwandten ist etwas sehr Unschönes, kommt aber leider wohl besonders häufig vor.

Wenn ein Angehöriger verstirbt, findet sich meist ein Nachkomme, der das Grab für diesen Verstorbenen kauft.

Derjenige, der den Nutzungsvertrag für die Grabstätte unterschreibt, ist auch der Nutzungsberechtigte.

Das bedeutet, daß dieser Nutzungsberechtigte darüber entscheiden kann, wie für den angemieteten Zeitraum mit dem Grab verfahren wird.

Er bestimmt, wer alles in diesem Grab bestattet wird, was damit nach seinem Ablauf geschieht und wie das Grab gestaltet wird.

Daraus erwachsen oft große Streitigkeiten in der Familie.

Es ist eben oft nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Oft ist es das Erbe über das man in Streit gerät, meist sind es aber finanzielle Fragen.

Der eine hat die hohen Grabgebühren übernommen und mißgönnt denen, die diese Kosten nicht tragen mußten, nun, daß sie ebenfalls das Grab pflegen möchten.

Sehr häufig wenden sich Angehörige mit einer solchen Problematik an mich. Beispielsweise berichtet mir eine junge Frau aus Haltern, daß sie einmal monatlich einen kleinen Blumenstrauß auf das Grab ihres Vaters stellt und kurz darauf ihr Bruder, mit dem sie in Streit lebt, diesen Strauß in die benachbarte Kompostkiste wirft.

Hierbei kann sich der Bruder auf ein Urteil des Amtsgerichts Grevenbroich stützen (AG Grevenbroich Urteil vom 15.12.1997 - 11 C- 335/97).

Es ist nämlich so, daß zunächst einmal der Grabnutzungsberechtigte entscheiden kann, was mit dem Grab geschieht, also auch, welche Blumen darauf stehen oder nicht.

Hierbei darf er aber nicht nur seinen persönlichen Willen durchsetzen, sondern muß auch die Wünsche des Verstorbenen berücksichtigen.

Hätte dieser in diesem konkreten Fall zu Lebzeiten geäußert, daß beide Kinder, also Sohn und Tochter, das Grab pflegen sollen, so hätte der junge Mann es dulden müssen, daß auch seine Schwester hin und wieder Blumen auf das Grab stellt.

Wurde der direkte Wille des Verstorbenen nicht geäußert, ist zu berücksichtigen, welchen Willen er mutmaßlich gehabt hätte. Das ist schwer herauszufinden und schwer zu beweisen.

Ist jedoch aus der allgemeinen Lebensführung und der Art und Weise, wie der Verstorbene selbst gehandelt und gesprochen hat, abzuleiten, wie er das gerne nach seinem Tod gehabt hätte, dann muß auch so verfahren werden, selbst wenn es dem Grabnutzungsberechtigten nicht paßt.

Sind aber weder der konkret geäußerte noch der mutmaßliche Wille bekannt, hat der Grabnutzungsberechtigte, also der der bezahlt und den Vertrag unterschrieben hat, die besseren Karten.

Gemäß dem o.g. Urteil kann er sogar anderen verbieten, in die Grabgestaltung einzugreifen.

Dabei spielt es keine Rolle, daß das Einstecken einer Kunststoffvase mit frischen Blumen nur ein sehr geringer Eingriff in die Grabgestaltung darstellt.

Soweit die rechtliche Lage.

Jedoch ist es auch dem zahlenden und vertraglich gebundenen Grabnutzungsberechtigten unmöglich, jemand anders den Besuch am Grab zu verbieten!

Der Friedhof gehört dem Friedhofsträger und man hat als Grabnutzer kein Hausrecht über das gesamte Areal.

Und so wie es jedermann freigestellt ist, ein bestimmtes Grab zu besuchen, so gebietet es der Anstand und der Respekt vor dem Verstorbenen, wie auch vor den Lebenden, daß man ein Gran nicht eifersüchtig als sein persönliches Kampfterritorium betrachtet.

Die gesamte Grabgestaltung bleibt dem Nutzungsberechtigten überlassen, jedoch sollte er kleinere Blumengaben, Schalen, Vasen oder Gedenkkerzen anderer dulden.

Man sollte weiteren Personen, auch wenn diese zum Unterhalt des Grabes sonst nichts beitragen nicht verbieten, ihrer Trauer durch überschaubare Eingriffe in die Grabgestaltung Ausdruck zu verleihen.

Machbar sind unter Berücksichtigung dieser "fair use"-Regelung:

     

  • das Einstecken einer Grabvase mit Blumen
  • das Aufstellen einer Gedenkkerze
  • das Ablegen von kleinen Gedenkkränzen oder -gestecken
  • das Anbringen eines Briefchens
  • das Aufstellen von kleinen Laternen an den Gedenktagen
  •  

Obiges gilt umso mehr an den üblichen Totengedenktagen, wie auch an den persönlichen Gedenktagen des Verstorbenen, wie Namens- oder Geburtstag, aber auch Sterbe- oder Beerdigungstag.

Nicht mehr angemessen sind:

     

  • Maßnahmen, die das Erscheinungsbild des Grabes grundlegend ändern
  • Veränderungen des Grabsteines oder der Einfassung
  • das Entfernen von Gestaltungsmerkmalen des Nutzers
  • das Anbringen von Gegenständen, die dauerhaft haltbar sind (Elektrokerzen, Plastikblumen, abgelegte Gedenktafeln und -kreuze)
  • Blumengaben die mehr als 1/8 der Grabfläche bedecken
  • Pflanzen die eingepflanzt werden
  • Gegenstände, die fest mit dem Grab verbunden werden.
  •  

Im Rahmen einer "fair use"-Regelung sollte der Grabnutzungsberechtigte also kleinere Mitgestaltungen anderer Trauernder großzügigerweise gestatten.

Der Respekt vor seinen Mitmenschen, auch wenn es abseits des Friedhofes Streit gibt, sollte angesichts des Gedenken an einen Verstorbenen, Vorrang haben vor persönlichen Abneigungen.

Mit anderen Worten: Am Grab ruht das Kriegsbeil.

Auf der anderen Seite gebietet es der Respekt vor dem Grabnutzungsberechtigten und dessen Recht, über die Gestaltung des Grabes zu entscheiden, daß man einmal auf dem Grab abgelegte Dinge nach dem Verwelken bzw. nach entsprechender Zeit auch selbst wieder entfernt.

Man kann nicht hingehen und im Rahmen von fair use Sachen ablegen und es dann anderen zumuten, sich später um die Entsorgung zu kümmern.

Um solche Streitigkeiten grundsätzlich zu verhindern, ist es klug, schon zu Lebzeiten darüber zu sprechen, wie man es gerne haben möchte.

Die beste Lösung ist das Einrichten einer Vorsorge, in der auch dieser Aspekt festgelegt wird.

Ich schreibe immer, daß Verfügungen bezüglich der Bestattung nicht ins Testament gehören, da dieses oft erst lange nach der Bestattung - und damit viel zu spät- eröffnet wird.

Diesen Aspekt sollte man auch bei der Frage der Grabpflege berücksichtigen, denn sonst erwirbt unter Umständen die falsche Person das Grab und Streit ist vorprogrammiert.

Als wichtigster Rat aber soll allen mit auf den Weg gegeben werden: Am Grab, da schweigt jeder Streit!

 

Zurück


Archiv