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Darf ich einfach einen Grabstein auf das Grab stellen?

21.03.2016

Meine Mutter starb vor fast 20 Jahren und wurde eingeäschert. Als damals 19Jährige war ich dankbar dafür, dass mein Stiefvater sich um die Bestattung und alles Notwendige kümmerte. Zu ihm besteht seit Jahren aber kein Kontakt mehr.

Nun wollte ich gestern das Urnengrab meiner Mutter besuchen, ich selbst wohne weiter entfernt, so dass sich die Besuche auf 1-2 Mal im Jahr beschränken.

Doch anstelle des Grabes fand ich ein unschönes, ungepflegtes Loch vor.

Der Grabstein, der damals sehr aufwendig hergestellt wurde und in Beton eingegossen wurde, wurde mit grober Gewalt entfernt und nun klafft dort ein sehr hässliches Loch aus Beton, Stein und Erdresten, was einer kleinen Baustelle gleich sieht.

Ich empfinde dies als sehr würdelosen Anblick, der mich sehr verletzt.

Der Steinmetz, den ich daraufhin aufsuchte, berichtete mir, dass die Entfernung des massiven Marmorblocks auf ausdrücklichen Wunsch meines Stiefvaters erfolgte, der Grabstein vernichtet wurde, ebenfalls auf seinen Wunsch hin, obwohl die Grabruhe und Grabmiete noch über 2 Jahre läuft, die Urne meiner Mutter nach wie vor noch dort in der Erde eingebettet ist. Selbst für den Steinmetz geschah dies aus unverständlichen Gründen.

Ich würde nun gerne wissen, ob es mir erlaubt ist, das Grab meiner Mutter nun mit Kieselsteinen zu füllen und einen neuen Grabstein aufzusetzen, auch wenn ich NiCHT im Besitz des Grabbriefes bin oder ob ich mich damit strafbar mache bzw. dies dann wieder entfernt werden könnte.

Außerdem wüsste ich gerne, ob es eine Art Informationspflicht gibt, die meinen Stiefvater oder die Gemeinde, in der meine Mutter begraben ist, dazu verpflichtet hätte, mich über derartige Veränderungen zu informieren.

Ist es außerdem erlaubt, einen "Grabstein" selbst anzufertigen und auch den Kies selbst aufzufüllen oder muss dies durch einen Profi erfolgen?

als Ihre Mutter starb, hat sich der Stiefvater um alles gekümmert und ist Grabnutzungsberechtigter geworden.

Als solcher hat er die Verfügungsgewalt über das Grab.

Er kann Ihnen beispielsweise nicht verbieten, am Grab zu trauern oder dort Blumen abzulegen.

Aber er kann leider über die Gestaltung des Grabes völlig frei entscheiden.

Maßgebend ist hier, daß er den Vertrag unterzeichnet und die Gebühren bezahlt hat.

Da Sie nicht Grabnutzungsberechtigte sind, dürfen Sie auch keinen neuen Grabstein aufstellen lassen oder das Grab sonst in seinem Aussehen grundsätzlich verändern.

Das ist sehr bitter für Sie und sicher keine positive Nachricht in Ihrem Sinne.

Ich finde es ebenso wie Sie, sehr erschreckend, wie das Grab jetzt aussieht.

Es besteht rein rechtlich kaum eine Möglichkeit, dagegen anzugehen.

Man könnte versuchen, den Mann zu verklagen, und zwar darauf, das Grab ordentlich zu richten oder die Nutzungsberechtigung freizugeben. Aber Sie wissen das bestimmt: Es gibt keine Garantie dafür, wie so ein Verfahren ausgeht.

Die Friedhofsverwaltung muß nur zum Grabnutzungsberechtigten Kontakt halten, nicht zu den übrigen Angehörigen.

Sollten Sie jetzt Kies auf das Grab streuen, machten Sie sich allerdings NICHT strafbar.

Der Stiefvater könnte ihn aber ohne weiteres wieder entfernen und im Wiederholungsfall wiederum auf Unterlassung klagen.

Nun, ich kann Ihnen sagen, wie ich vorgehen würde:

Ich würde das Grab jetzt mit Kies und einer daraufgestellten Schale mit Blumen wieder schön machen.

Auf einen Grabstein würde ich verzichten.

Das Grab läuft nur noch zwei Jahre, dann ist dieses leidige Thema erledigt.

Richten Sie das Grab her, mit Kies und einer Schale mit Blumen, das ist kein großer Eingriff in die Rechte des Stiefvaters und es ist fraglich, ob und wann er das bemerkt und ob er sich dann die Mühe macht, das zu entfernen.

Einen Grabstein selbst aufzustellen, halte ich angesichts des oben Gesagten für keine gute Idee.

Ein fest mit dem Grab verbundener Grabstein müßte auch ein Fundament haben, das den behördlichen Anforderungen genügt. Eine solche Arbeit darf nur von einem Steinmetz durchgeführt werden.

Selbst anbringen können Sie hingegen, soweit das dort an dieser Stelle auf dem Friedhof erlaubt ist, einen kleinen liegenden Stein, der nicht umfallen kann.

Aber auch das würde ich nicht einfach so, ohne Genehmigung durch den Nutzungsberechtigten machen.

 

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